Die ersten neun Monate dieses Jahres waren aus Sicht der in Deutschland aktiven Fondsplattformen durchaus ein Erfolg. Zwar sorgte die Corona-Pandemie Ende des ersten Quartals für einen Crash an den Börsen. Danach erholten sich die Märkte aber bekanntlich wieder, zudem nutzen viele Anleger den Einbruch der Märkte zum Wertpapierkauf. Davon profitierten die depotführenden Gesellschaften, wie FONDS professionell ONLINE erfahren hat. Diese benötigen das Wachstum der betreuten Assets auch, ihre Kosten steigen nämlich ebenfalls. Diesem Dilemma versuchen sie auf verschiedenen Wegen zu begegnen – ein Blick auf die Lage und die aktuellen Konditionen der großen Plattformen.

Die Depotbanken berichten von überdurchschnittlich mehr Neukunden. Bei der DAB BNP Paribas etwa lag die Zahl der Neueröffnungen im dritten Quartal viermal höher als im langjährigen Mittel, sagt deren B2B-Leiter Robert Fuchsgruber. "Im zweiten Quartal haben wir sogar siebenmal so viele Depots eröffnet wie üblich", sagt er. Zwei Gesellschaften machten gegenüber der Redaktion sogar konkretere Angaben: Die Fondsdepot Bank geht davon aus, dass sie im gesamten Jahr 2020 rund 10.000 Depots mehr eröffnen wird "als im Vorjahresschnitt".

Kostendruck
Die Comdirect teilte auf Nachfrage mit, dass sie im zweiten Quartal fast 100.000 neue Depots eingerichtet hat. Nur zum Vergleich: In den vergangenen Jahren waren es im Schnitt 40.000 im Quartal. Diese Zahl bezieht sich allerdings auf alle Anleger, nicht nur auf Kunden der Berater aus dem Bereich Business Partners, der übrigens auch nach der Verschmelzung mit der Commerzbank fortgeführt werden soll.

Das Wachstum bei Depots und "Assets under Custody" (AuC), also beim betreuten Vermögen, ist wichtig für die Plattformen. Sie finanzieren sich in erster Linie aus den Provisionen für die Fonds. Je größer die AuC, desto höher die Erträge. Dem stehen die seit Jahren steigenden Kosten durch die Regulierung entgegen. Deren Anforderungen müssen schließlich mittels IT abgebildet werden – und das ist teuer. Auf der anderen Seite verdienen die Gesellschaften auch nichts mehr auf der Zinsseite, und die Gebühren bei Fonds stehen wegen der Konkurrenz durch preisgünstige Indexfonds unter Druck.

Fusionen
Ein Weg aus dem Dilemma sind Fusionen, mit denen die AuC steigen: So übernahm im Sommer die European Bank for Financial Services (Ebase) das Wertpapiergeschäft der Augsburger Aktienbank (AAB). Der Kauf soll Mitte 2021 abgeschlossen sein und die Einheiten der AAB in die Ebase integriert sein. Im vergangenen Jahr trennte sich bereits das Bankhaus Metzler vom Retail-Geschäft seiner Fondsplattform "Metzler Fund Xchange" (MFX), das an die FIL Fondsbank (FFB) ging.

Ein anderes Mittel, um dem Kostendruck zu begegnen, sind Gebührenerhöhungen. Im Verlauf der vergangenen zwei Jahre etwa haben die AAB und die FFB die maximalen Kosten für die Depots leicht angehoben. Die Luxemburger Plattform Moventum zog kürzlich nach und hob die Depotgebühren pauschal auf 48 Euro an, inklusive Sparpläne (siehe Tabellen unten). Ebase wird 2021 auch Gebühren ändern. (jb)


Der vollständige Artikel "Geschäftiges Jahr" ist in FONDS professionell 4/2020 ab Seite 276 erschienen. Angemeldete KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.