Die Bundesregierung hatte das Projekt im aktuellen Koalitionsvertrag festgeschrieben und wenn alles klappt, soll die säulenübergreifende, digitale Renteninformation, auch Online-Rentenkonto genannt, 2022 an den Start gehen. Dies teilte kürzlich zumindest das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) mit und bezog sich dabei auf Informationen aus Kreisen, die "eng in die Vorbereitung des Online-Rentenkontos eingebunden“ sind. 2022? Das dauert der Allianz Leben offenbar zu lange. 

Der Versicherer hat ein eigenes Tool, den "Allianz-Rentenkompass" entwickelt, drei Monate lang erprobt und nun freigeschaltet. Mit der kostenlosen Anwendung sollen Nutzer nicht nur eine realistische Bruttorente ermitteln, sondern auch eine Annäherung an ihre späteren Nettobezüge erhalten können. "Steuern und Sozialabgaben werden auf Basis der heute gültigen Gesetzgebung einkalkuliert", sagte Alf Neumann, Digitalisierungsvorstand der Allianz Leben, bei der virtuellen Vorstellung des Projektes. Das sei insgesamt besser als beim geplanten staatlichen Online-Rentenkonto.

Daten mit dem Vermittler teilen
Der Rentenkompass berücksichtigt nicht nur Bezüge aus der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Vorsorge. Nutzer können auch Einkünfte aus Immobilienbesitz und Kapitalvermögen hinterlegen. Die Anwendung werde ins Kundenportal "Meine Allianz" integriert und biete damit dieselben Sicherheitsstandards, die auch bei Allianz-Kundenverträgen vorgesehen sind, so Neumann. Zudem sei es über eine spezielle Internetseite erreichbar. "Nutzer müssen aber keine Allianz-Kunden sein", erklärte Neumann. Sie hätten zudem die volle Kontrolle über ihre Daten. "Nur wer möchte, kann die Daten mit einem Vermittler teilen", so Neumann weiter.

Beim Rentenkompass kann der Kunde aus dem eigenen Account heraus eine persönliche Beratung vereinbaren. Wer bereits einen Betreuer für seine Verträge hat, bekommt diesen angezeigt, also beispielsweise auch seinen Vermittler. Interessenten ohne Berater wird bei Wunsch nach Beratung ein Allianz-Vertreter vorgeschlagen. Vermittler werden dann nicht angezeigt. "Mit wem der Nutzer die Daten teilt, entscheidet er selbst", erklärte eine Sprecherin der Allianz auf Nachfrage von FONDS professionell ONLINE. Der Nutzer kann beispielsweise im Beratungsgespräch auch mit dem Smartphone auf die Anwendung zugreifen und so die Daten direkt übermitteln, ergänzte die Sprecherin. 

Einige Fintechs waren schneller
Bereits vor der Allianz haben einige Fintechs digitale Renteninformationen bereitgestellt. Im Herbst 2017 war der Onlinemakler Clark Germany mit einer digitalen Übersicht zu Rentenansprüchen, dem Renten-Cockpit gestartet. Im März 2018 folgte der Fairr.de mit dem Vorsorge-Cockpit. (dpo)