Asoka Wöhrmann rechnet für die kommenden eineinhalb Jahre mit einer weiter anziehenden Inflation. "In Europa werden wir wahrscheinlich Preissteigerungsraten von über drei Prozent sehen, in den USA klar über vier Prozent, zumindest zeitweise", sagt der Chef des deutschen Asset-Management-Platzhirschs DWS in einem Interview mit dem "Handelsblatt". Er geht davon aus, dass diese Entwicklung Anleger in Realwerte wie Aktien oder Immobilien treiben wird. "Am Aktiensparen führt meiner Meinung nach kein Weg vorbei, gerade auch für die langfristige Altersvorsorge", sagt Wöhrmann. Seiner Einschätzung nach dürfte sich zugleich die Hausse an den Börsen mindestens bis Jahresende fortsetzen. "Der Dax wird eher früher als später auf 20.000 Punkte steigen", prophezeit er.

Insgesamt wird die Welt nach Corona nicht mehr dieselbe sein wie zuvor, sagt Wöhrmann – nicht nur wegen einer voraussichtlich dauerhaft höheren Inflation. "Die Coronakrise hat die Verschiebung von Wohlstand und Vermögen beschleunigt. Covid hat Asien einen Vorsprung verschafft, vor allem China ist durch seinen rigiden Umgang mit der Pandemie schnell wieder auf die Füße gekommen", erklärt der DWS-Chef. Er ist sich sicher: Asien wird künftig eine Vorreiterrolle spielen. Bei ihren Wachstumsplänen nimmt die DWS deshalb verstärkt die asiatischen Märkte ins Visier. "Das ist sicher ein Fokus für uns", bestätigt Wöhrmann dem "Handelsblatt". Von Vertriebspartnerschaften über Beteiligungen bis hin zu größeren Übernahmen: "Wir screenen den Markt sehr sorgfältig, das kann ich Ihnen versichern."

ETF-Sparte soll weiterwachsen
In Europa will Wöhrmann das Geschäft mit passiven Produkten ausbauen und bis zum Jahr 2024 in diesem Bereich wieder die Nummer zwei hinter Blackrock sein. "An der Passivierung des Asset-Management-Geschäfts wird kein Weg vorbeiführen, dieser Trend wird sich weiter beschleunigen", prognostiziert er. Das Bereichswachstum soll bei der DWS allerdings organisch erfolgen und nicht so sehr durch Zukäufe erreicht werden. "Auch wir haben uns Lyxor angeschaut", sagt Wöhrmann mit Blick auf den Asset Manager, der kürzlich von Amundi übernommen wurde. "Aber das hat nicht zu uns gepasst, schon gar nicht zu diesem Preis." Zudem habe es in der Vergangenheit zu lange gedauert, bis übernommene Firmen integriert waren. "Da war zeitweise viel Patchwork", räumt Wöhrmann ein.

Aktuell interessiert sich die DWS Berichten zufolge für NN Investment Partners. Wöhrmann will das nicht kommentieren. Generell müsse bei Übernahmen der Preis stimmen, sie müssten Mehrwert wie neue Kundengruppen, Produkte oder Märkte bringen – "und nicht zuletzt muss es kulturell passen". Zugleich sei die Konzernmutter Deutsche Bank daran interessiert, dass sich die DWS nach Übernahmekandidaten umsieht. "Unsere zweite Phase als börsennotiertes Unternehmen, in der es vor allem um Wachstum geht, hat dieses Jahr begonnen", sagt Wöhrmann. (fp)