Millionen Arbeitnehmer sind wegen der Coronakrise in Kurzarbeit, viele bangen um ihre Jobs. Nicht so bei der DWS: Asoka Wöhrmann, Vorsitzender der DWS-Geschäftsführung, sieht Deutschlands größtes Fondshaus gut aufgestellt. "Wir haben weder Kurzarbeit angemeldet noch Stellen abgebaut. Das Glück dieser Stabilität haben nicht viele", sagt er im Interview mit dem "Handelsblatt". "Wir planen im Moment auch trotz Pandemie keinen Stellenabbau." Er sei stolz darauf, wie DWS die Krise bislang bewältigt habe – trotz eines schwierigen ersten Quartals mit hohen Mittelabflüssen. "Wir haben im ersten Quartal eine gute Widerstandsfähigkeit bei unseren Erträgen und beim Gewinn bewiesen, auch wenn der März unseren wunderbaren Jahresstart in den ersten beiden Monaten leider mehr als ausradiert hat", so Wöhrmann.

Der Chef der Deutschen-Bank-Fondstochter geht davon aus, dass sich das volle wirtschaftliche Ausmaß der Pandemie erst im zweiten Quartal offenbart. Dann könnten doch noch Stellen wegfallen, wenn auch nicht direkt krisenbedingt, sondern weil Vakanzen nicht notwendigerweise nachbesetzt werden: "Die Krise wirkt wie ein Effizienzbeschleuniger", sagt Wöhrmann. "Wir werden zum Beispiel unsere Führungsstruktur weiter vereinfachen und global integrieren. Wesentliche Positionen werden wir stärken und weniger wesentliche streichen." Er weist darauf hin, dass die DWS bereits im vergangenen Jahr 40 Managing-Directors-Stellen abgebaut hat. "Und auch in diesem Jahr gilt: Am Ende des Jahres werden weniger Menschen bei uns beschäftigt sein als im Vorjahr", sagt der DWS-Manager. 

Effizienz rauf, Kosten runter
Die DWS will zudem mehrere Monate lang keine neuen Mitarbeiter einstellen, um Geld zu sparen. "Wir prüfen auch stärker, in welchen Bereichen Einstellungen wirklich nötig sind und ob man manche Stellen nicht einfach auch intern besetzen kann", erklärt Wöhrman im "Handelsblatt"-Interview. Das liegt nicht nur an der Pandemie, sondern auch an den langfristigen Herausforderungen für das aktive Asset Management: von den anhaltenden Niedrigzinsen bis hin zur Konkurrenz durch börsengehandelte Indexfonds. Wöhrmann will die Aufwands-Ertrags-Relation bis zum Jahr 2021 auf unter 65 Prozent drücken. Dazu müssen, wenn die Umsätze wie aktuell sinken, die Kosten ebenfalls deutlich fallen – möglicherweise auch die erfolgsabhängigen Gehaltsbestandteile der Führungskräfte.

Mit Blick auf die Zukunft geht Wöhrmann davon aus, dass die Covid-19-Krise die Arbeitswelt verändern dürfte. In New York etwa haben derzeit rund 80 Prozent der DWS-Mitarbeiter einen festen, eigenen Arbeitsplatz. Künftig könnten es weniger sein, schätzt der DWS-Chef. Darüber hinaus rechnet er damit, dass Nachhaltigkeit trotz der Krise das bestimmende Thema des laufenden Jahrzehnts bleibt. Die DWS stellt deshalb immer mehr Fonds auf einen Nachhaltigkeitsansatz um, erklärt er. In eineinhalb Jahren sollen 80 Prozent der verwalteten Kundengelder in DWS-Obhut nach ESG-Kriterien gemanagt werden. (fp)