DZ-Bank-CEO Riese: Klassische Chef-Autorität reicht heute nicht mehr
Mobiles Arbeiten, KI und der Kampf um Fachkräfte verändern die Rolle von Führungskräften bei Banken. DZ-Bank-Chef Cornelius Riese erklärt, worauf es heute ankommt – und warum die Förderung junger Talente auch einen unerwünschten Nebeneffekt haben kann.
Die Anforderungen an Führungskräfte in der Finanzbranche sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Zu diesem Schluss ist DZ-Bank-Chef Cornelius Riese gekommen. Dabei gehe es unter anderem um Themen wie mobiles Arbeiten und künstliche Intelligenz (KI).
"Neue Arbeitsformen, etwa mobiles Arbeiten, haben die Führungsrealität grundlegend verändert. Während früher eher eine hierarchischere Kultur der klaren Vorgaben bestand, müssen Führungskräfte heute viel stärker selbst gestalten", erklärte Riese in einem Interview mit "Bankinformation", einem Fachmagazin der Volks- und Raiffeisenbanken.
Hinzu komme noch, dass die klassische Autorität über Fachwissen zunehmend relativiert werde, auch durch technologische Entwicklungen wie KI. Das mache die Rolle anspruchsvoller als früher.
Führungskräfte als Talentmagneten
Riese sieht Führungskräfte zudem als Talentmagneten. Sie sollten Menschen anziehen und binden. Beim ersten Aspekt der Anziehung sei es wichtig, sichtbar zu sein. Führungskräfte müssten in relevanten Netzwerken, Fachcommunities oder Universitäten präsent sein. Es reiche nicht aus, auf eingehende Bewerbungen zu warten.
Die deutsche Finanzbranche steht mit Blick auf das Personal vor einem großen Umbruch. Auslöser ist der demografische Wandel. Einige Banken werden in den nächsten zehn Jahren ein Drittel oder mehr ihrer Mitarbeiter verlieren, weil sie in Rente gehen. Entstehende Lücken müssen trotz des Fachkräftemangels gefüllt werden, auch durch die Anwerbung von Nachwuchskräften.
Warnung vor zu starkem Fokus auf Jüngere
Riese warnte in dem Zusammenhang vor Stolpersteinen. "Viele Organisationen setzen stark auf Nachwuchsförderung. Das ist grundsätzlich natürlich richtig und sinnvoll", erklärte er. "Gleichzeitig kann durch eine zu starke Fokussierung auf jüngere Menschen manchmal bei erfahrenen Mitarbeitern der Eindruck entstehen, weniger im Fokus des Unternehmens zu stehen."
Hier spiele Kommunikation eine zentrale Rolle, erklärte Riese. Es dürften keine impliziten Signale der Priorisierung gesendet werden. Er finde verbindende Formate wertvoll, etwa Generationendialoge oder Reverse Mentoring. (mb/Bloomberg)














