Subsahara-ELTIF: "Wir richten uns explizit an Privatanleger"
Die Fondsboutique Invest in Visions hat den ersten ELTIF auf den Markt gebracht, der nicht in Europa anlegt, sondern in Photovoltaik-Infrastruktur in Afrika. Im Interview erklärt die Gründerin Edda Schröder, wie der Fonds investiert – und warum sie Ärger mit der Verbraucherzentrale Hamburg hat.
Sie gilt in Deutschland als Pionierin auf dem Gebiet der Mikrofinanzfonds. 2006 gründete Edda Schröder die Frankfurter Fondsboutique Invest in Visions, fünf Jahre später legte sie gemeinsam mit der Hansainvest den IIV Mikrofinanzfonds auf. Er war der erste seiner Art, der auch Privatanlegern offensteht. Im Mai dieses Jahres hat sie zusammen mit der Hansainvest Luxemburg den ersten in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen European Long-Term Investment Fund (ELTIF) für Infrastruktur in Subsahara-Afrika auf den Markt gebracht. Wie der aktuelle Stand der Dinge ist, und warum sie Vorwürfe der Verbraucherzentrale Hamburg gegen ihr Unternehmen strikt zurückweist, erklärt Schröder Im Interview mit FONDS professionell ONLINE.
Frau Schröder, die Verbraucherzentrale Hamburg hat vor dem Landgericht Frankfurt am Main eine Klage wegen irreführender Werbung gegen Invest in Visions eingereicht. Die Verbraucherschützer werfen Ihnen vor, Anleger mit dem IIV Mikrofinanzfonds über die nachhaltige Wirkung des Sondervermögens zu täuschen. Worum genau geht es bei der Sache?
Edda Schröder: Der IIV Mikrofinanzfonds ist nach Artikel 9 der Offenlegungsverordnung eingestuft. Das hält die Verbraucherzentrale für unzulässig. Uns wird nun vorgeworfen, wir würden nicht überwachen, ob die Vergabe von Mikrokrediten durch den Fonds tatsächlich Armut reduziert, Geschlechtergerechtigkeit verbessert, Arbeitsplätze fördert und Ungleichheiten bekämpft. Ein messbarer Beitrag zu einer Verbesserung der sozialen oder wirtschaftlichen Lage der Kreditempfänger sei anhand unserer Daten nicht feststellbar. Das sei "Impact Washing".
Messen Sie denn den Beitrag, den der IIV Mikrofinanzfonds zu den genannten Zielen leistet?
Schröder: Ein allgemeiner Zusammenhang zwischen der Verbreitung von Mikrofinanz und einer Abnahme von Armut und Ungleichheit ist bereits durch mehrere makroökonomische Studien belegt worden. Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft ist es aber nicht möglich, die Wirkung vergebener Kredite auf einzelne Darlehensnehmer zu messen, wie es die Verbraucherzentrale Hamburg fordert. Ein solches Verfahren müsste schließlich die Effekte des Kredits isoliert von allen anderen Einflussfaktoren im Leben eines Darlehensnehmers abbilden können.
Und das geht nicht?
Schröder: Eine Methode dieser Art gibt es nicht und kann es nicht geben. Daher ist die Forderung der Verbraucherzentrale weltfremd und kontraproduktiv. Würde man auf die Forderungen der Verbraucherzentrale eingehen, würden die unnötigen administrativen Zusatzkosten die Zinsen für die Kreditnehmer deutlich erhöhen und zu keiner zusätzlichen Erkenntnis führen. Wir lassen unseren Prozess zum Impact-Management regelmäßig von einer internationalen unabhängigen Prüfgesellschaft kontrollieren. Die Anschuldigungen der Verbraucherzentrale Hamburg weisen wir entschieden zurück.
Kommen wir zu einem erfreulicheren Thema. Im Mai haben Sie den ersten in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen ELTIF aufgelegt, der in Infrastrukturprojekte in der Region Subsahara-Afrika investiert. Können Sie bitte erklären, wie der Fonds anlegt?
Schröder: Der IIV Solar Electrification Debt ELTIF vergibt Darlehen an Unternehmen, die auf die Planung, den Vertrieb und den Betrieb dezentraler Photovoltaik-Anlagen spezialisiert sind. Damit soll er eine Brücke schlagen zwischen dem großen praktischen Photovoltaik-Potenzial in Subsahara-Afrika und der derzeit noch fehlenden oder unzureichenden Stromversorgung. So wollen wir einerseits einen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten und andererseits die Lebensbedingungen vor Ort verbessern.
Wie sehen diese derzeit denn aus?
Schröder: Über 80 Prozent der 685 Millionen Menschen, die weltweit keinen Zugang zu sauberer Energie haben, leben südlich der Sahara. Zu den 567 Millionen Menschen in Subsahara-Afrika, die nicht an das staatliche Stromnetz angebunden sind, kommen viele weitere Millionen Haushalte und Unternehmen hinzu, die zwar an die staatliche Stromversorgung angeschlossen, aber von der chronischen Unzuverlässigkeit der nationalen Netze betroffen sind. Trotz eines hohen Potenzials für die Erzeugung von Solarenergie liegt die installierte Photovoltaik-Nennleistung bei nur einem Prozent der globalen Kapazität. Stattdessen dominieren teure und umweltschädliche Dieselgeneratoren – rund 6,5 Millionen sind in Betrieb. Dezentrale Solaranlagen bieten eine kostengünstige, gesündere und nachhaltige Alternative. So können Unternehmen beispielsweise ihre Stromkosten um bis zu 40 Prozent senken. Private Investitionen, mit denen die Firmen vor Ort sowie der Ausbau der Photovoltaik-Infrastruktur gefördert werden, könnten hier helfen. Einen ELTIF, der den globalen Süden als Hauptinvestitionsziel in den Blick nimmt, gab es bislang nicht.
Ziel des europäischen Gesetzgebers war es eigentlich, mit dem ELTIF Investitionen in der Europäischen Union zu fördern, beispielsweise in Infrastruktur. Nun legt der Fonds aber in Afrika an. Wie passt das zusammen?
Schröder: Das mussten wir vor der Auflage des Fonds von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsicht ESMA natürlich genehmigen lassen. Unsere Service-Kapitalverwaltungsgesellschaft Hansainvest in Luxemburg hat alle Unterlagen eingereicht und die Behörde hat uns bestätigt, dass wir über den Fonds in afrikanischen Ländern investieren dürfen. Die ESMA hat sich diesem Konzept gegenüber sehr offen gezeigt.
Seit der Auflage im Mai sind einige Monate vergangen. Ist der ELTIF mittlerweile im Vertrieb?
Schröder: Ja, der ELTIF ist am Start und mit dem Vertrieb wurde begonnen. Es hat eine Weile gedauert, denn zuerst brauchte es zumindest eine Depotbank, die den ELTIF auch abwickeln kann. Inzwischen kann über die Plattform der Fondsdepot Bank dies sichergestellt werden.
Große Banken können ELTIFs doch auch abwickeln.
Schröder: Das stimmt, aber wir richten uns mit dem neuen Fonds explizit an Privatanleger. Daher sollen ihn auch freie Finanzberater vermitteln können. Und ihnen konnten wir ja schlecht sagen: "Hier ist ein neuer ELTIF, aber bis auf Weiteres ist er nicht in das Depot Eurer Kunden einzubuchen." Ich denke, weitere Fondsplattformen werden bald nachziehen.
Und institutionelle Kunden kommen für den neuen ELTIF nicht in Frage?
Schröder: Doch, langfristig natürlich schon. Aber institutionelle Investoren wie Versicherer oder Pensionskassen möchten in aller Regel ja einen Track Record über drei Jahre sehen, bevor sie in ein neues Produkt anlegen. Daher konzentrieren wir uns zunächst auf den Retailbereich, also auf Banken, Family Offices, Stiftungen und freie Berater.
Wie viel Geld haben Sie denn schon eingesammelt?
Schröder: Die Nachfrage ist gut. Zwar ist ein ELTIF, der in Infrastruktur in Subsahara-Afrika investiert, genau wie ein Mikrofinanzfonds ein Nischenthema – aber er ist ein Thema. Natürlich kommen immer wieder Fragen, etwa dazu, ob in den Ländern, in denen investiert werden soll, keine hohe Korruption herrscht. Aber das kennen wir ja schon, das mussten wir im Bereich Mikrofinanz auch immer wieder erklären. Ich finde manchmal auch, dass der ELTIF als Konstrukt wie ein großer, weißer Elefant im Raum steht. Die Struktur ist neu, komplex und erklärungsbedürftig. Dabei fände ich es schöner, wenn Anleger sich sozusagen auf den "Inhalt" konzentrieren würden. Aber wie gesagt, Interesse an dem neuen Fonds ist da.
Gibt es ein bestimmtes Volumen, das Sie gern erreichen möchten?
Schröder: Der Fonds ist ja ein offener ELTIF, daher sind nach oben hin natürlich keine Grenzen gesetzt. Ich würde mich freuen, wenn das Fondsvolumen nach ungefähr drei Jahren bei 50 Millionen Euro liegen würde und eine Rendite von sieben bis acht Prozent auf US-Dollar-Basis erzielen könnte.
Das ist schon eine deutlich höhere Rendite, als mit dem Mikrofinanzfonds erzielt wird. Ist ein Mindestinvestment nötig, um in den IIV Solar Electrification Debt ELTIF einzusteigen?
Schröder: Nein, Anleger können ab einem Euro dabei sein. Aber natürlich gibt es eine längere Haltedauer. Die Mindesthaltedauer liegt bei zwei Jahren. Die Kündigungsfrist beträgt ein Jahr. Anlegern muss klar sein, dass der Fonds langfristig Darlehen an die Unternehmen vergibt. Diese müssen mit den Finanzierungen arbeiten können, ansonsten wäre das Ganze nicht nachhaltig.
Haben Sie auch schon Unternehmen im Auge, an die Sie Finanzierungen vergeben möchten?
Schröder: Nicht nur das, wir haben bereits eine erste Transaktion in der Vorbereitung für den Fonds. Translight Solar ist ein Unternehmen in Ghana, das Photovoltaik-Dächer etwa auf Hochschulen, Krankenhäusern oder Einkaufszentren baut. Der Strom, der damit produziert wird, kann Dieselgeneratoren ersetzen und bald vielleicht auch ins normale Netz eingespeist werden. Das Tolle ist, dass wir hier den Impact gut messen können. Es lässt sich ja überprüfen, wie viel CO2 durch diese Projekte eingespart werden kann.
Und in welchen Ländern wollen Sie sonst noch investieren?
Schröder: Neben Ghana möchten wir in der ersten Runde Private Debt in Botswana, Ruanda, Sambia und Uganda vergeben. Wir müssen immer darauf achten, dass ein Staat nicht unter den Drittland-Ausschluss der Europäischen Union fällt. Aber das haben wir natürlich im Auge.
Vielen Dank für das Gespräch. (am)




Vortrag am FONDS professionell KONGRESS










