Eigene Banking-App: Genobanken sagen Apple Pay den Kampf an
Die deutschen Genossenschaftsbanken entwickeln eine eigene iPhone-Bezahllösung – unabhängig von Apple Pay. Im Zentrum stehen Souveränität, Datenschutz und Kundenbindung. Erste Funktionen sollen per Girocard starten, ein späterer Ausbau ist geplant.
Mit ihrem Plan, das Bezahlen per iPhone unabhängig von Apple Pay zu ermöglichen, wollen die deutschen Genossenschaftsbanken ihre Abhängigkeit von Drittanbietern reduzieren. Das erklärte David Paul, Senior-Payment-Experte der Bankengruppe. Geplant ist eine eigene mobile Bezahllösung, die so benutzerfreundlich sein soll, dass Kunden sie gern annehmen – auch weil Apple Pay weiterhin verfügbar bleiben soll.
"Es ist problematisch, von anderen – beispielsweise großen US-Konzernen – abhängig zu sein. Hier geht es auch um die Frage der Souveränität. Das ist einer der Gründe, warum wir die Bezahlung über unsere eigene Banking-App einführen wollen", sagte Paul im Interview mit "Bloomberg News".
Bezahlintegration über Girocard geplant
Die Genossenschaftsbanken wollen zunächst die Girocard-Zahlung in ihre Banking-App auf dem iPhone integrieren. "Die Einbindung von Kreditkarten in die Banking-App wäre der nächste logische Schritt", so Paul.
Hintergrund: Drittanbieterlösungen waren auf iPhones lange nicht möglich, da Apple exklusive Schnittstellen für Apple Pay reservierte. Nach regulatorischem Druck hat Apple diese nun für alternative Bezahllösungen geöffnet – die Genobanken gehören zu den ersten Akteuren, die davon Gebrauch machen.
Zwei Optionen für Kunden
Ein vollständiger Umstieg auf das neue System ist nicht geplant. "Die Verträge mit Apple bestehen und sind nicht gekündigt. Es wird also ein Parallel-Angebot geben – Zahlungen über unsere Banking-App oder Apple Pay", sagte Paul. Er betont, dass die Girocard nie in Apple Pay eingebunden war – dort dominierten stets Kreditkarten.
Mehrwert durch Datenschutz und Nutzerführung
Damit das neue Angebot überzeugt, müsse es in puncto Nutzerfreundlichkeit mithalten können. "Der bekannte Doppelklick wird möglich sein", so Paul. Ein entscheidender Mehrwert liege im Datenschutz. "Dieser Mehrwert besteht beispielsweise darin, dass Daten im Bankkosmos bleiben und nicht an Dritte gehen."
Zudem wolle man als Genossenschaftsbank direkter Ansprechpartner für Kunden bleiben, was bei externen Bezahldiensten nur eingeschränkt möglich sei.
Einsparpotenzial fraglich
Ein weiterer möglicher Vorteil: Die Banken könnten Gebühren an Apple sparen. Doch laut Paul ist das nicht sicher: "Ob es Einsparungen geben wird, muss man erst noch sehen. Denn die Einführung der Bezahlung über die Banking-App ist auch mit hohen Aufwendungen verbunden, etwa für Marketing und Ansprache der Kunden."
Starttermin ungewiss
Ursprünglich wurde ein Start im September 2025 angestrebt. Inzwischen geben sich die Beteiligten jedoch zurückhaltender. "In diesem IT-Projekt sind viele Partner der genossenschaftlichen Finanzgruppe eingebunden. Wie immer bei solchen Projekten kann auf dem Weg dorthin noch viel passieren", erklärte Paul. (mb/Bloomberg)















