Bis ein Fonds vom Anbieter beim Endkunden gelandet ist, hat er eine ganze Vertriebskette durchlaufen. Ließe sich in dieser Kette nicht ein Glied einsparen? Wenn die Fondsplattformen, also die depotführenden Stellen, einen ordentlichen Service für die Berater bieten würden, bräuchten sie beispielsweise keinen Maklerpool. "Das stimmt", räumt Georg Kornmayer, Geschäftsführer des Maklerpools Fondsnet, im Interview mit FONDS professionell ein, das in voller Länge in Ausgabe 4/2020 erscheint. "Aber das schaffen die Fondsplattformen eben nicht."

Als Beispiel verweist er auf eine Vertragsergänzung zu Mifid II und zum Datenschutz, die sein Unternehmen 2018 von einer Plattform geschickt bekam. "Allein das waren 156 Seiten!", so Kornmayer. "Ein Berater, der auf sich allein gestellt ist, würde erdrückt werden von den Vorgaben der Depotbanken. Er käme gar nicht mehr zu dem, was den Kern seiner Tätigkeit darstellt, nämlich seine Kunden zu beraten." Die Regulierung sorge dafür, dass sich die Welt des unabhängigen Beraters immer stärker der Bankenwelt annähere. "Schon deshalb braucht es den Pool als wichtiges Bindeglied", zeigt sich Kornmayer überzeugt.

Ein professionell organisiertes Beraterbüro, das nur eine einzige Depotstelle nutze, könnte rein theoretisch auch ohne Pool zurechtkommen. Die Praxis sehe aber anders aus. "Was tun Sie, wenn Sie einen Kunden gewinnen, der sein Depot bei einer anderen Bank führt? Seinetwegen bräuchten Sie eine eigene Vertriebsvereinbarung mit dieser Bank, die Sie in der Regel wegen zu geringer Volumina aber nicht bekommen", meint Kornmayer. Auch ein konsolidiertes Reporting über mehrere Fondsplattformen hinweg werde keine Depotbank liefern. "Schon deshalb werden Pools nicht vom Markt verschwinden. Im Gegenteil: Sie werden immer wichtiger", so der Fondsnet-Chef.

"Hybridgeschäft" mit Großkunden
Große Zukunft hat Kornmayer zufolge das "Hybridgeschäft", wie er den Mix aus Großhandelsfunktion und IT-Dienstleistung bezeichnet: "Selbst große Vermittler, die ihren Vertrag mit ihrer wichtigsten Fondsplattform behalten möchten, kaufen sich mittlerweile IT-Dienstleistungen bei uns ein. Unsere Aufgabe ist es, diese Zahlen mit dem Randgeschäft bei anderen Plattformen zusammenzuführen, damit der Endkunde ein einheitliches Reporting hat."

So konnte die Fondsnet-Gruppe jüngst einige Großkunden gewinnen. Das Unternehmen baute beispielsweise seine Kooperation mit dem Finanzvertrieb Plansecur aus Kassel aus. Die IT-Tochter Foo stellt dem Kölner Dachfondspionier Sauren Software für dessen Endkundengeschäft zur Verfügung. Außerdem wickelt Fondsnet künftig das Investmentgeschäft des Lübecker Maklerpools Blau direkt ab. (bm)


Das vollständige Interview mit Georg Kornmayer lesen Sie in FONDS professionell 4/2020 ab Seite 260. Die Ausgabe wird den Abonnenten in diesen Tagen zugestellt. Ausgewählte Zitate lesen Sie zudem oben in der Bilderstrecke – einfach weiterklicken!