Fondsmanager lassen sich bei ihren Beurteilungen des Marktes und ihrer Erwartungsbildung mehr von ihren persönlichen Erfahrungen als von nüchternen Zahlen aus Datenbanken leiten, konstatiert die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ). Dies ist das zentrale Ergebnis einer Studie zur Erwartungsbildung von Finanzexperten des Max Planck Institute for Research on Collective Goods. Die Bonner Forscherin Zwetelina Iliewa hat die Studie gemeinsam mit zwei Kollegen verfasst. Die drei Autoren haben dafür 326 Experten aus dem Panel des ZEW-Finanzmarktreports befragt, der als wichtiger Indikator für die ökonomische Entwicklung Deutschlands gilt. 

Der Studie zufolge beeinflussen vor allem frühe Berufserfahrungen spätere Entscheidungen von Finanzmarktexperten, also Ereignisse zum Zeitpunkt des Jobeinstiegs. Wer etwa seine Laufbahn während der Finanzkrise im Jahr 2008 begann, verspürt offenbar seine ganze Karriere lang weniger Risikoappetit als Kollegen, deren Berufsstart zu Zeiten eines Bullenmarkts stattfand. 

Banken sollten mit Simulationen arbeiten
Für Enrico De Giorgi, Behavioral-Finance-Experte und Professor für Mathematik an der Universität St. Gallen, sind die Ergebnisse sehr überraschend, Verhaltensökonomische Studien stützten sich oft auf Laborexperimente. In der Ausarbeitung der Max-Planck-Forscher werde jedoch suggeriert, dass selbst Finanzprofis mit reichlich Erfahrung bei ihrer Entscheidungsfindung grundlegend voreingenommen seien. 

In der Tat könne Voreingenommenheit gerade im Fondsmanagement schnell gefährlich werden, sagt Studienautorin Iliewa. Deshalb sei es für Finanzexperten wichtig, den sachlichen Umgang mit den eigenen Erwartungen möglichst früh zu lernen. Sie plädiert dafür, dass Banken in Traineeprogrammen viel mehr mit Simulationen arbeiten. Erst wer gezeigt habe, dass er auf Basis objektiver Daten richtige Entscheidungen treffen könne, solle in den komplizierten Kapitalmarkt einsteigen. (fp)