Erste Zahlen zeigen: Genobanken treffen mit Bitcoin-Offerte einen Nerv
Der Höhenflug vieler Kryptowährungen ist schon länger vorbei. Privatanleger sind dennoch an Investments in Digitalwährungen interessiert. Das zeigen erste Erfahrungen mit einem neuen Angebot aus dem Lager der Volks- und Raiffeisenbanken.
Der Bitcoin-Kurs dümpelt seit Januar dieses Jahres vor sich hin. Von dem Hoch im vergangenen Oktober, als eine Einheit der Digitalwährung zeitweise über 100.000 Euro kostete, ist der Kurs mit 55.000 Euro derzeit weit entfernt. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, trifft der Kryptohandel über die Plattform "Mein Krypto" bei Privtakunden von genossenschaftlichen Banken in Deutschland offenbar auf hohes Interesse. Das berichtet "Bloomberg News" und bezieht sich dabei auf eine Umfrage unter den beiden Volks- und Raiffeisenbanken, die als erste mit dem neuen Angebot an den Start gegangen sind.
So teilte Claus Reder, Vorstand der Volksbank Raiffeisenbank Würzburg auf Anfrage mit, dass bereits einige hundert Kunden das Angebot nutzen, bei dem es sich um ein Wallet handelt, das in die VR-Banking-App integriert ist. Die Bank hatte es erst Anfang Mai freigeschaltet. "Viele handeln bereits aktiv Kryptowährungen mit uns", sagte Reder. Eine andere Bank, die zu den Vorreitern im Genosektor gehört, ist die Westerwald Bank, bei der der Kryptohandel seit Anfang Juni zur Verfügung steht. "In den ersten beiden Wochen nach dem Start haben bereits rund 100 Kunden mit Kryptowährungen gehandelt", erklärte Vorstandssprecher Ralf Kölbach.
Bafin-Zulassung seit Ende 2025
Entwickelt wurde das zentrale Kryptohandelsangebot für private Kunden im genossenschaftlichen Sektor von der DZ Bank in Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleister Atruvia und der Börse Stuttgart. Zunächst sind die Währungen Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Cardano handelbar. Die Bafin hatte Ende vergangenen Jahres die sogenannte Micar-Zulassung für die Kryptoplattform erteilt. Im März ging die Plattform "My Krypto" an den Start.
Jede der rund 650 deutschen Genossenschaftsbanken entscheidet allerdings selbst, ob sie das Angebot freischaltet, und muss zudem einen Prozess bei der Bafin durchlaufen. Wichtig ist auch: "Mein Krypto" richtet sich an Selbstentscheider. Die Regionalbanken bieten also keine Beratung zu den Digitalwährungen an.
Antwort auf Scalable & Co.
Experten erklären den Start des Kryptoangebots im genossenschaftlichen Sektor unter anderem mit dem Druck, den Neobroker und Neobanken auf die Institute ausüben. Diese bieten nicht nur den Handel mit digitalen Währungen, sondern auch mit Aktien und ETFs an. Zudem sprechen sie auch speziell Jüngere an – eine begehrte Kundengruppe für die traditionellen Filialbanken.
"Ein sehr wichtiges Motiv für die Sparkassen und zuvor für die Genossenschaftsbanken, den Kryptohandel anzubieten, ist der Versuch, Kunden vom Wechsel zu den Neobrokern und Neobanken abzuhalten", sagte Julian Schmeing, Partner der auf Finanzdienstleister spezialisierten Unternehmensberatung Zeb, im Gespräch mit FONDS professionell (siehe Ausgabe 4/2025, Seite 416, oder (nach Anmeldung) hier im E-Magazin).
Hohe Erwartungen
Bankchef Reder rechnet damit, dass sich weitere Kunden für das Angebot interessieren werden. "Unser Ziel ist es, dass mittelfristig um die 5.000 unserer Kunden mit Kryptowährungen handeln", sagte er. Und auch Kölbach sieht weiteres Potenzial. "Ich würde es gut finden, wenn wir bis Ende 2026 auf 1.000 oder mehr Kunden kämen, die Kryptowährungen handeln", sagte er. Langfristig hält er sogar 10.000 oder mehr Privatkunden in diesem Bereich für möglich. (Bloomberg/jb)















