Jahrzehntelang galt die britische Hauptstadt London als Zentrum des grenzüberschreitenden Aktienhandels. Mit der Unterzeichnung des Brexit-Vertrags und dem Auslaufen der Übergangsphase dürfte das nun jedoch endgültig der Vergangenheit angehören, glaubt Volker Schmidt, Senior Portfolio Manager bei Ethenea Independent Investors. 

Darauf deuten unter anderem aktuelle Zahlen von Aquis Exchange hin, der zweitgrößten britischen Handelsplattform für europäische Aktien. Anfang Januar wickelte das Unternehmen laut eigenen Angaben 99,9 Prozent aller Transaktionen über ihre Zwillingsplattform in Paris ab. Cboe Global Markets berichtet ähnliches. Demnach liefen zuletzt knapp 90 Prozent des EU-Aktienhandels über Amsterdam. Im Vorjahr war fast das gesamte Volumen in London abgewickelt worden.

Unternehmen könnten ebenfalls abwandern
Insgesamt haben sich so allein am ersten Handelstag des Jahres rund sechs Milliarden Euro von der britischen Hauptstadt nach Kontinentaleuropa verlagert. Dem Staat entgehen dadurch nicht nur Steuereinnahmen. "Es liegt auch nahe anzunehmen, dass Unternehmen zukünftig einen Börsengang in der EU bevorzugen werden, um von reibungslosen und aktiven Handelsbedingungen zu profitieren", sagt der Anlageprofi. (fp)