Europäische Banken befinden sich trotz anhaltender makroökonomischer Unsicherheiten weiterhin in einer stabilen und widerstandsfähigen Kreditrisikoposition. Das zeigt die aktuelle Benchmark-Studie "Financial reporting of European banks" von Forvis Mazars. Die Analyse basiert auf den Geschäftsberichten 2025 von 26 führenden europäischen Bankengruppen und betrachtet insbesondere die ausgewiesenen erwarteten Kreditverluste.

Eine allgemeine Verschlechterung des Kreditrisikos war 2025 nicht festzustellen. Gleichzeitig gingen wichtige Kennzahlen wie die Deckungsquoten und modellunabhängige Anpassungen, sogenannte Management Overlays, leicht zurück. Auch die Unterschiede zwischen den untersuchten Instituten fielen geringer aus als in den Vorjahren.

Kreditexponierungen steigen, ECL-Rückstellungen sinken
Die Bruttokreditexponierungen erhöhten sich im vergangenen Jahr um 3,0 Prozent. Das Wachstum wurde insbesondere von Engagements der Stufe 1 (Stage 1) getragen. Gleichzeitig gingen die ECL-Rückstellungen um 1,9 Prozent zurück. Dadurch sank die durchschnittliche Deckungsquote für Kredite zu fortgeführten Anschaffungskosten auf 1,20 Prozent. 2024 hatte sie noch bei 1,26 Prozent und 2019 bei 1,57 Prozent gelegen.

Die Entwicklung deutet auf eine Verschiebung der Kreditexponierungen zwischen den IFRS-9-Stufen hin. Insbesondere Stage-1-Engagements nahmen durch Neugeschäft sowie Umschichtungen aus höheren Risikostufen zu. Während die Deckungsquoten für Stage 1 zurückgingen, stiegen sie für Stage 2 und Stage 3 leicht an.

Operatives Ergebnis wächst moderater
Auch die Ertragslage der Banken entwickelte sich weiterhin positiv. Bei 18 der 26 untersuchten Institute stieg das operative Ergebnis. Das Wachstum fiel mit acht Prozent allerdings deutlich geringer aus als im Vorjahr, als noch ein Plus von 20 Prozent verzeichnet worden war.

Mit den steigenden operativen Ergebnissen erhöhte sich auch der durchschnittliche ECL-Aufwand um 14 Prozent. Die erwarteten Kreditverluste entsprachen damit rund 13 Prozent des operativen Ergebnisses, nach zwölf Prozent im Jahr 2024. Die Kreditkosten bleiben damit beherrschbar, zeigen jedoch einen leichten Aufwärtstrend. Dabei entwickelten sich die einzelnen Institute unterschiedlich: Bei 16 Banken stieg der ECL-Aufwand, bei zehn ging er zurück.

Management Overlays verlieren weiter an Bedeutung
Die Nutzung von Post-Model Adjustments und Overlays ging weiter zurück. Ihr Anteil lag so niedrig wie seit ihrer Einführung während der Pandemie nicht mehr. Der Anteil der Management Overlays an den gesamten ECL-Rückstellungen sank 2025 auf neun Prozent. Nach zehn Prozent im Jahr 2024 und zwölf Prozent im Jahr 2023 setzt sich damit die schrittweise Normalisierung seit dem Höhepunkt der Covid-19-Pandemie fort.

Die Entwicklung deutet auf eine stärkere Orientierung an modellbasierten Kreditrisikoschätzungen hin. Gleichzeitig berücksichtigen die Banken weiterhin makroökonomische, handelsbezogene und klimabezogene Unsicherheiten in ihren Risikomodellen.

Peter Wundsam, Managing Partner bei Forvis Mazars in Österreich, sieht darin ein Zeichen für die zunehmende Stabilität des Sektors. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Banken zunehmend auf etablierte Risikomodelle stützen könnten. Gleichzeitig blieben sie wachsam und berücksichtigten geopolitische, wirtschaftliche und klimabezogene Unsicherheiten weiterhin in ihren Bewertungen.

Banken widerstandsfähiger aufgestellt
Auch Georg Fikar, Director Financial Services bei Forvis Mazars in Österreich, verweist auf die Weiterentwicklung der Risikomanagement- und Prognoseprozesse der europäischen Banken. Der Rückgang der modellunabhängigen Anpassungen bei der Risikovorsorge spreche dafür, dass viele Institute wieder stärker auf ihre etablierten IFRS-9-Modelle vertrauen könnten. Die insgesamt stabile Entwicklung des Kreditrisikos zeige zudem, dass zahlreiche Banken heute widerstandsfähiger aufgestellt seien als noch vor wenigen Jahren.

Vincent Guillard, Partner und Leiter der Studie, bewertet die europäische Bankenlandschaft aus Kreditrisikosicht ebenfalls als insgesamt stabil. Gleichzeitig verwiesen die Ergebnisse auf eine Verschiebung hin zu Stage-1-Engagements und eine geringere Abhängigkeit von Management Overlays. Trotz leicht gestiegener Kreditkosten entwickelten sich die Trends von Institut zu Institut unterschiedlich. Anhaltende makroökonomische Unsicherheiten, darunter handelspolitische Spannungen, beeinflussten weiterhin die zukunftsgerichteten Annahmen und führten zu vorsichtigen Prognosen.

Negative Szenarien bleiben relevant
Bei den zukunftsorientierten makroökonomischen Annahmen zeigt sich weiterhin ein heterogenes Bild. Die Prognosen der Banken liegen weitgehend im Einklang mit jenen der Europäischen Zentralbank und der Bank of England. Dennoch bestehen Unterschiede zwischen den Instituten. Die Mehrheit der Banken misst negativen Szenarien weiterhin ein bedeutendes Gewicht bei.

Die Studie basiert ausschließlich auf den bis zum 1. April 2026 veröffentlichten Geschäftsberichten von 26 europäischen Banken. Pressemitteilungen, Investorenpräsentationen oder vergleichbare Veröffentlichungen wurden nicht berücksichtigt. (fp)