Das Geschäftsmodell von Universalbanken ist nicht mehr zeitgemäß, schreibt Michael Kemmer, ehemaliger Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), in einem Gastbeitrag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Klassische Universalbanken haben seiner Einschätzung nach im heutigen regulatorischen Umfeld zu hohe Kosten. Wegen ihrer geringen Markanteile können die Institute diese Kosten nicht ausreichend über Skaleneffekte auffangen. Fintechs hingegen greifen sich die profitabelsten Teile der Wertschöpfungskette heraus und bieten sie günstiger an.

Der deutsche Bankenmarkt ist zersplittert. Die drei größten börsennotierten Institute in Deutschland haben zusammengenommen gerade einmal einen Marktanteil von 15 Prozent. Zum Vergleich: In Frankreich vereinen die fünf größten Banken 80 Prozent des Marktes auf sich. "Natürlich liegt das am spezifisch deutschen Drei-Säulen-Modell aus privaten Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken", erklärt Kemmer. Das Problem daran: "Das Heben von Skaleneffekten ist im deutschen Markt ungleich schwieriger als bei den internationalen Wettbewerbern."

Wachstum durch Spezialisierung
Auch in Deutschland gibt es einige Banken, die profitabel sind und wachsen. An diesen solle man sich orientieren. "Auffällig ist, dass diese in der Regel ganz gezielt und kosteneffizient als Spezialanbieter in bestimmtem Nischen tätig sind", so Kemmer. "Das deutet darauf hin, dass Spezialisierung, Komplexitätsreduktion und daraus folgend Kosteneffizienz auch im schwierigen deutschen Markt Treiber für Wachstum sein können." Der Ex-BdB-Chef ist überzeugt: Eine stärkere Arbeitsteilung könnte der Schlüssel zu einer höheren Profitabilität sein. (fp)