Seit langem kämpft das einst größte chinesische Firmenkonglomerat HNA gegen hohe Schuldenberge. Nun ziehen die Geldgeber offenbar die Reißleine. Ein Gläubiger hat Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens gestellt, "da wir die fälligen Schulden gegenüber dem Gläubiger nicht zurückzahlen können", wie HNA vergangenen Freitag auf seiner Homepage mitteilte.
 
HNA war im Jahr 2017 mit knapp zehn Prozent für kurze Zeit zum größten Aktionär der Deutschen Bank aufgestiegen, hatte aber 2019 die letzten Anteile wieder abgestoßen. Beim größten deutschen Kreditinstitut war HNA über den Wiener Vermögensverwalter C-Quadrat eingestiegen. C-Quadrat-Gründer Alexander Schütz, der in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank eingezogen war, erlebte mit der chinesischen Partnerschaft eine turbulente Zeit. HNA hatte 2017 die Mehrheitsübernahme von C-Quadrat angekündigt und 2018 finalisiert, war aber kurz darauf wieder ausgestiegen: Mitte Mai 2019 kaufte Schütz überraschend gemeinsam mit Vorstandsmitglied und Aktionär Cristobal Mendez de Vigo wieder die Mehrheit am Unternehmen zurück. Schütz sitzt noch im Aufsichtsrat der Deutschen Bank.
 
Grund für den Rückzug der Chinesen aus Europa war die kräftige Überschuldung. Das Unternehmen musste sich von Beteiligungen trennen, die nicht zum Kerngeschäft Tourismus zählten. Der als stark verschachtelt und intransparent geltende Konzern hatte laut der Nachrichtenagentur Reuters innerhalb weniger Jahre für weltweite Beteiligungen 50 Milliarden Dollar ausgegeben – darunter etwa auch für einen Anteil an der Hotelkette Hilton. Es gehören demnach 2.300 Firmen zum Portfolio – im Kern steht die Fluggesellschaft Hainan Airlines. HNA ist auch Haupteigentümer des Frankfurter Flughafens Hahn im Hunsrück. (eml)