Der Vertriebsbereich bei Fidelity kommt nicht zur Ruhe. Wie FONDS professionell ONLINE erfahren konnte, hat sich nun auch Claude Hellers, bisher als Leiter Wholesale- und Retailvertrieb Deutschland verantwortlich für das Privatkundengeschäft des Unternehmens, entschlossen, nach neuen Aufgaben Ausschau zu halten. Hellers reiht sich damit ein in eine ganze Serie von bisher unfreiwilligen Abgängen aus dem Fidelity-Vertriebsteam im laufenden Jahr.

Mit Martin Stenger als ehemaligem Leiter des Vertriebs an unabhängige Finanzberater und Versicherungen und Greta-Lisa Frey, Spezialistin für Altersvorsorge-Lösungen im Wholesale-Team, sowie Philipp Graf von Königsmarck, früher Leiter für den Vertrieb an Family Offices und Vermögensverwalter, hatte die Neuaufstellung des Wholesale-Vertriebs bei Fidelity drei teils langjährige Kollegen den Job gekostet. Stenger wechselte Anfang Mai zum UBS-Fondscenter, von Königsmarck ist inzwischen für Legal & General Investment Management tätig.

Hohe Abflüsse aus Publikumsfonds
Über die Gründe für die Entscheidung von Claude Hellers war wenig zu erfahren. Eine Sprecherin des Unternehmens teilte lediglich mit, Hellers habe entschieden, sich neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen. Man bedauere, dass der gebürtige Luxemburger das Unternehmen verlasse, respektiere jedoch seine Entscheidung – außerdem werde er in gutem Kontakt zu Fidelity bleiben. Diese Ausführungen deuten zumindest darauf hin, dass die Entscheidung tatsächlich von Hellers selbst und nicht von Fidelity ausging.

Fidelity leidet seit geraumer Zeit unter einem schwachen Neugeschäft in Deutschland. Im vergangenen Jahr zogen Anleger unter dem Strich 276,3 Millionen Euro aus Publikumsfonds des Anbieters ab, geht aus Zahlen des Branchenverbands BVI hervor. Allein im ersten Quartal dieses Jahres flossen deutschlandweit netto weitere 332,9 Millionen Euro aus den Fidelity-Portfolios ab. Ende Januar hatte Heller im Interview mit FONDS professionell ONLINE eingeräumt, dass 2017 "kein so gutes Jahr" für Fidelity war. Damals hatte er den Umbau des Vertriebsteams noch verteidigt.

Seit 20 Jahren für Fidelity tätig
Hellers war insgesamt 20 Jahre für Fidelity tätig. Er war Mitte 2013 aus Luxemburg nach Kronberg gekommen – zu einer Zeit, da Fidelity über ein halbes Jahr lang ohne gesamtverantwortlichen Geschäftsführer für Deutschland und Österreich gewesen war. Damals erklärte Hellers im Interview mit FONDS professionell ONLINE auf die Frage, wie lange er noch bei Fidelity sein werde: "Ich arbeite seit 15 Jahren für unser Unternehmen und plane, langfristig weiter dabei zu bleiben. Die Tatsache, dass ich mich gemeinsam mit meiner ganzen Familie zum Umzug von Luxemburg in den Taunus entschlossen habe, mag Ihnen Beleg genug dafür sein, dass es mir damit durchaus ernst ist." Fünf Jahre später hat er sich nun offensichtlich anders entschieden. (hh/bm)