Die europäische Bankenaufsicht hat Zweifel am Geschäftsmodell und am Sanierungswillen der Commerzbank-Spitze. Auf der jüngsten Sitzung des Aufsichtsrates, die am 4. Dezember 2019 stattfand, kritisierte ein Vertreter der bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelten Aufsicht für größere Geldinstitute die geringe Profitabilität des Instituts. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen.

Diese waren der Zeitung zufolge vor allem von der harten Wortwahl des Aufsehers überrascht. Es sei üblich, dass die Finanzaufsicht mitunter kritische Einschätzungen zu den Geschäftsmodellen und daraus folgend den Gewinnchancen von Geldhäusern abgebe. Ein so hartes Urteil wie das über die Commerzbank werde aber nur äußerst selten abgegeben. Im Aufsichtsrat der "Gelben" sei es im Anschluss zu einer intensiven Diskussion mit dem Aufseher gekommen. Weder die EZB noch das zweitgrößte deutsche Geldinstitut wollten die Sache kommentieren.

Schwarze Zahlen
Im Gegensatz zur Deutschen Bank, die 2019 einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro einfuhr, schreibt die Commerzbank zwar seit Jahren schwarze Zahlen, so die Wirtschaftszeitung. Viele Analysten und Investoren seien dennoch enttäuscht. So habe die Bank das zweite Restrukturierungsprogramm in Folge aufgelegt, "ohne dass die Ergebnisse alte oder halbwegs akzeptable Niveaus erreichen", zitiert das Handelsblatt etwa die Aussagen der Analysten vom Mitbewerber Deutschen Bank.

Die Gründe dafür scheinen vielfältig: Das Institut verdiene seine Kapitalkosten schon lange nicht mehr. Investoren seien ferner mit der Entwicklung unzufrieden, wenngleich sie die Ausrichtung des Instituts grundsätzlich richtig finden. Der Fokus auf das Privatkunden- und Mittelstandsgeschäft in Deutschland sei sinnvoll, sagt etwa Michael Hünseler, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Assenagon. "Der Haken ist, dass die Commerzbank in diesen Märkten aufgrund der Rahmenbedingungen nicht viel verdienen kann", zitiert die Zeitung Hünseler weiter.

Integration der Comdirect
Das Institut möchte nun mit der Strategie "Commerzbank 5.0", die unter anderem den Verkauf der polnischen Tochter M-Bank und die Re-Integration der Comdirect vorsieht, gegensteuern und ihre Kosten bis 2023 um 600 Millionen Euro auf unter 6,3 Milliarden Euro drücken. In den kommenden drei Jahren werde eine Eigenkapitalrendite von zwei bis vier Prozent angestrebt – danach solle diese bei über vier Prozent liegen. Vorstandschef Martin Zielke habe Renditeziele als neuen Realismus bezeichnet – angesichts des Zinsumfelds und des harten Wettbewerbs in Deutschland sei aus seiner Sicht aktuell nicht mehr drin. (jb)