Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) will Zusammenschlüsse zwischen Banken erleichtern und hat nun einen Leitfaden veröffentlicht, der Europas Geldhäuser zu diesem Schritt ermutigen soll. In dem Schreiben erklären die Aufseher, was sie von Banken bei Fusions- und Übernahmeprojekten erwarten, berichtet das "Handelsblatt". Hintergrund: Viele Geldhäuser fürchten, dass die Aufseher Zusammenschlüsse mit Hürden wie hohen Kapitalanforderungen und anderen regulatorischen Maßnahmen torpedieren könnten. 

In ihrem Leidfaden stellt die Behörde unter anderem klar, dass fusionierte Institute nicht notwendigerweise höhere Kapitalanforderungen erfüllen müssen. Ebenso könnten die Banken zeitweise auf ihre eigenen Modelle zur Berechnung der Kapitalvorgaben zurückgreifen. Außerdem wollen die Kontrolleure den Geldhäusern beim Umgang mit negativen Firmenwerten bei Übernahmen, dem sogenannten Badwill, entgegenkommen.  

Transparente Entscheidungen
Der Leitfaden zur Konsolidierung soll Verständnis für die Entscheidungen der Aufseher schaffen. Er mache "das Aufsichtshandeln vorhersagbarer und vermeidet Fehleinschätzungen von aufsichtlichen Erwartungen, was allen zugutekommt", erklärte EZB-Chefbankenaufseher Andrea Enria. Der Italiener hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass die EZB Fusionen viel aufgeschlossener gegenübersteht, als viele Geldinstitute glauben. (fp)