Diskretion gilt bei ihnen als oberstes Gebot: Family Offices. Diese Büros der besonderen Art  verwalten die Vermögen der Reichen und Super-Reichen, meistens Unternehmerdynastien, – und das manchmal schon seit Generationen. Doch einige Vertreter dieser Zunft öffnen sich für Dritte und bieten ihre Kompetenz in Finanzfragen auch familienfremden Interessenten an. Hinter der Expansion vom sogenannten Single zum Multi-Family-Office als Betreuer mehrerer Familien steckt eine bestimmte Motivation. Welche das ist, erläutert Maximilian Werkmüller, Professor für Finance und Family Office Management an der Allensbach Hochschule in Konstanz und Anwalt bei einer Düsseldorfer Kanzlei, im Interview.


Herr Werkmüller, existiert eine klare Trennung zwischen Family- und Multi-Family-Offices?

Maximilian Werkmüller: Der reinen Lehre nach existieren zwei Blöcke: einerseits Single-, andererseits Multi-Family-Offices. Dahinter steht für die Familien die Frage, ob sie die Vermögensverwaltung alleine betreiben, oder mit anderen teilen möchten. In der Praxis gibt es jedoch zahlreiche Hybridmodelle.

Warum möchten manche Familien ihre Vermögensverwaltung mit Dritten teilen?

Werkmüller: Grundsätzlich gibt es zwei Gründe, die eine Öffnung motivieren. Erstens lässt sich damit zusätzliches Kapital einsammeln, um etwa die Mindestschwellen bei Private-Equity-Investments oder Club-Deals zu erreichen. Zweitens lassen sich die Kosten solidarisieren. Es ist eine strategische Entscheidung, ein Family Office für Dritte zu öffnen. Dabei stellt sich die Frage, wie der Markt auf das Angebot reagieren wird. Ein großer Name birgt eine entsprechende Zugkraft, die rasch Kunden anziehen kann.

Aber manche Familien beanspruchen die Dienste nur für sich.

Werkmüller: Für manche Familien käme eine Öffnung nie infrage. Sie bevorzugen die Diskretion und können es sich leisten, die Strukturen nur für die eigenen Belange zu nutzen.

Wie viele Anbieter gibt es in Deutschland?

Werkmüller: Das lässt sich allenfalls grob schätzen. Es gibt nur wenige wissenschaftliche Arbeiten dazu. Viele Single Family Offices lassen sich ohne das entsprechende Hintergrundwissen als solche gar nicht identifizieren. Bekannt ist nur: Nach der Subprime-Krise kam es häufiger zu Gründungen von Family Offices. Der Grund war das Misstrauen gegenüber Banken, das damals aufgekeimt war.

In der Investmentbranche sind Digitalisierung sowie Preis- und Kostendruck ein akutes Thema. Wie sieht das bei den Familienverwaltungen aus?

Werkmüller: Auch hier gewinnen diese Themen an Dringlichkeit. Vormalige Kerndienstleistungen wie das Reporting lassen sich kaum mehr profitabel betreiben. Diese Dienstleistungen werden von vielen Anbietern auf hohem Niveau, digitalisiert und somit sehr günstig angeboten. Als Differenzierungsmerkmal taugen diese Elemente schon lange nicht mehr. Einige Singe-Family-Offices greifen nach wie vor auf selbst programmierte Systeme zurück. Doch spätestens beim anstehenden Generationenwechsel wird die Frage aufkommen, warum solche teuren und mitunter technisch nicht mehr zeitgemäßen Systeme zum Einsatz kommen. Daher setzt auch hier ein Trend ein, Dienste wie das Rechnungswesen oder das Reporting auszulagern.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)


Wie Family Offices entstanden sind und welche Entwicklungsstufen einzelne Häuser nahmen, lesen Sie im neuen Heft 3/2020 von FONDS professionell, das Abonnenten in den kommenden Tagen zugestellt wird.