Die Beschäftigtenzahl am Bankplatz Frankfurt hat sich in den vergangenen Jahren entgegen dem deutschlandweiten Trend positiv entwickelt. Während in anderen Teilen Deutschlands diverse Banken, Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken reihum Belegschaften verkleinerten, wuchs die Zahl der Arbeitsplätze in Frankfurt seit 2014 um sechs Prozent auf knapp 65.000. Die Volkswirte der Hessischen Landesbank Helaba hatten vor Ausbruch der Covid-19-Pandemie damit gerechnet, dass diese Entwicklung anhält. Nun haben sie ihre Prognose aber geändert, wie sie in einer aktuellen Studie schreiben.

Bis Ende 2022 werden nach Schätzung der Studienautorin Ulrike Bischoff rund 2.000 Stellen bei den Kreditinstituten in Frankfurt abgebaut. Dabei werde die Unsicherheit in der Branche aufgrund der Corona-Krise dazu führen, dass die ursprünglich guten Prognosen für Beschäftigte in "Mainhatten" im Zuge des "Brexits" nicht mehr zu halten sind. Viele ausländische Banken, die vom Austritt Großbritanniens aus der EU betroffen sind, hatten Frankfurt als neuen Standort auserkoren. Die Helaba hatte zunächst geschätzt, dass sie für rund 2.000 neue Arbeitsplätzte gesorgt hätten. 

Kreditausfälle erwartet
Als Belastungsfaktoren für die deutschen Banken allgemein und damit auch für die in Frankfurt ansässigen Häuser führt Bischoff an, dass es spätestens Anfang kommenden Jahres im Zuge der dann wieder einsetzenden Insolvenzantragspflicht vermehrt zu Kreditausfällen kommte. Die schlagen sich entsprechend in den Bankbilanzen nieder. Weitere, schon länger bekannte Herausforderungen seien die schwachen Margen vieler Häuser, denen sie mit einem Spar- und insbesondere einem verstärkten Digitalisierungskurs begegnen sollten. 


Grundsätzlich stehe die deutsche Finanzbranche nicht schlecht da. Die Finanzaufsicht Bafin hält die Auswirkungen der Pandemie laut Bischoff "voraussichtlich für verkraftbar". Die Behörde warnt aber, dass sich die Kapitalausstattung der Banken bei einer Verschärfung der Lage spürbar verschlechtern könne. Bislang seien die Geldhäuser recht gut durch die aktuelle Krise gekommen, da sie von wirtschaftspolitischen Hilfsprogrammen und regulatorischen Erleichterungen profitieren. Zudem habe es laut Bischoff im laufenden Jahr eine "Sonderkonjunktur" in Form einer starken Nachfrage nach Unternehmenskrediten, Absicherungs- und Anlageprodukten gegeben.

Innerdeutscher Konzentrationsprozess
Für die bisher guten Beschäftigungszahlen in der Mainmetropole hat die Studie ebenfalls eine Erklärung parat: Die Stadt habe von einem "innerdeutschen Konzentrationsprozess im Bankwesen auf die Konzernzentralen in Frankfurt" profitiert. Die Mitarbeiter dort seien schlichtweg weniger vom sich in der Fläche vollziehenden Filialabbau betroffen. Und auch die Europäische Zentralbank hat mit ihrem Bekenntnis zum Standort Frankfurt ihren Teil zu diesem positiven Trend beigetragen. Doch der ist nun vorbei.

Seit Anfang der 1990er Jahre gebe es in Deutschland einen Trend zur Filialausdünnung, der durch die Digitalisierung weitere Schubkraft erhält. "Damit verändern sich auch die Berufsanforderungen in der Bankenbranche. Anstelle der in der Vergangenheit hohen Anzahl von Mitarbeitern mit klassischer Bankausbildung für die Arbeit in den Filialen besteht nun in den Konzernzentralen vermehrt Bedarf an Spezialisten mit akademischen Abschlüssen", so Bischoff. (jb)