Die Fondsgesellschaft Fidelity konnte im abgelaufenen Jahr das Neugeldaufkommen im Wholesale-Geschäft steigern. Der Absatz in Deutschland erreichte 1,5 Milliarden Dollar (1,24 Milliarden Euro). In der Region Österreich und Osteuropa flossen 357 Millionen Dollar zu. Das Haus insgesamt hatte in den vergangenen Jahren gegen den Branchentrend mit einer Absatzflaute gerungen.

"Wir konnten 2020 nutzen, um zum Wettbewerb aufzuschließen", sagt Christian Machts, Wholesale-Vertriebsleiter für Deutschland, Österreich und Osteuropa bei Fidelity International, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. "Wir müssen nun all unsere Energie und Kreativität hineinstecken, um diese Dynamik fortzuschreiben". Insbesondere das Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) soll dazu beitragen.

Fuß aufs Gaspedal
Daher will die Gesellschaft das Geschäft mit diesen Vehikel ausbauen. "Das Wachstum im passiven Feld wird weitergehen", erläutert Machts. Sein Haus erwarte, dass sich die Zuwachsrate in einer Größenordnung im zweistelligen Prozentbereich fortsetzt. "Das bedeutet für uns, dass der Passiv-Bereich ein wichtiges Wachstumsfeld darstellt."

ETFs hatten ungeachtet der Börsenturbulenzen im Jahr 2020 mit 756 Milliarden Dollar einen Rekord beim weltweiten Nettomittelaufkommen verzeichnet. Angesichts des Erfolgs versuchen auch eingefleischte aktive Manager hier Fuß zu fassen. Doch Branchenriesen wie Blackrock mit iShares oder Vanguard haben das Feld besetzt. "Fidelity als klassisch aktiver Asset Manager muss und wird sich erst einmal als passiver Anbieter positionieren", räumt Machts ein. Zugleich betont er: "Wir wollen mehr: ETFs werden eine wichtigere Rolle spielen. Vertrieblich werden wir den Fuß stärker auf das Gaspedal drücken."

Angereicherte Indizes
Die Gesellschaft konzentriert sich dabei auf alternative Indexierung, sogenannte Smart-Beta-ETFs. Diese Feld bietet noch Lücken, welche die Platzhirsche nicht besetzt haben. Fidelity hat hier zwei Produktstränge aufgebaut: einmal eine Serie, die auf dividendenstarke Qualitätstitel setzt. Die zweite Reihe fokussiert sich auf Nachhaltigkeit. "Wir sind überzeugt davon, dass klassische Indexinvestoren solche Produkte brauchen, um einen Mehrwert zu generieren und Kosten zu rechtfertigen", erläutert Machts.

Insbesondere bei der ESG-Serie kommt die aktive Expertise des Hauses zum Einsatz. Denn hierbei werden herkömmliche Indizes mit den Erkenntnissen aus dem neu geschaffenen, hauseigenen Nachhaltigkeitsresearch angereichert. "Wir zielen dabei auf eine Kundengruppe, die ein besseres ESG-Rating, aber keinen tiefgehenden, aktiven Einsatz wollen. Diese Kunden suchen ein eher indexnahes Investment", erläutert Machts den Ansatz.

Die Erkenntnisse der Fidelity-Analysten könnten hier einen Mehrwert liefern. Nachhaltigkeitsdaten seien in Schwellenländern häufig schwerer zu erheben. In Asien etwa sei ESG auch anders definiert. "Uns erscheint es als Königsweg, bei den Unternehmensinterviews durch unsere Analysten den Stand der Nachhaltigkeit abzufragen, weitere Entwicklung zu forcieren und transparent auf Missstände hinzuweisen", sagt der Fidelity-Mann.

Vertrieb anpassen
"Wir beachten natürlich auch die Daten externer ESG-Anbieter. Hauptsächlich vertrauen wir aber auf unsere hauseigene Research-Basis", führt der Vertriebsprofi weiter aus. Denn es werde noch mehrere Jahre dauern, bis eine allgemeine ESG-Datenbasis aufgebaut ist, die für alle frei verfügbar ist und die weniger von Annahmen getragen wird als heute. "Zudem fehlt bei solchen Datensammlungen die zukunftsgerichtete Perspektive", so Machts. "Ohne die entgeht Investoren potenziell Rendite." Die passive Produktpalette will Fidelity ausbauen, kündigt Machts an. Der stark wachsende ESG-Bereich sowie Anleihen seien hier Kandidaten.

Zudem sollen die Vertriebskooperationen, etwa mit Direktbanken und Brokern, ausgebaut werden. Insgesamt will der Anbieter den Vertrieb weiter an die von Corona angestoßenen Veränderungen anpassen. "Einer der Umbrüche durch die Pandemie ist, dass kaum noch persönliche Kontakte stattfinden, das spiegelt sich auch im Vertrieb wieder", berichtet Machts.. "Dementsprechend werden wir eine neue Kommunikation forcieren. Ein Beispiel sind kürzere, aber thematisch zielgerichtetere Webinare." (ert)