Von Anfang Januar bis Ende November zogen Anleger aus Deutschland unter dem Strich gut 30 Millionen Euro aus Fidelity-Publikumsfonds ab. Andere Anbieter mussten deutlich höhere Abflüsse hinnehmen, aber nach den guten Ergebnissen der Jahre 2015 und 2016 dürften die Zahlen am Unternehmenssitz in Kronberg für Enttäuschung gesorgt haben (siehe die Grafiken in der Bilderstrecke oben). Dazu passt die Nachricht zur Neuaufstellung des Wholesale-Vertriebs, die drei teils langjährige Kollegen den Job kostete. Claude Hellers, Leiter des Retail- und Wholesale-Vertriebs von Fidelity in Deutschland, stellt sich den Fragen von FONDS professionell ONLINE.


Herr Hellers, ein Blick auf die BVI-Statistik zeigt, dass 2015 und 2016 für Fidelity in Deutschland vertriebsstarke Jahre waren. In den ersten elf Monaten des Jahres 2017 dagegen standen unter dem Strich sogar Abflüsse – trotz des eigentlich positiven Marktumfeldes. Woran liegt das?

Claude Hellers: Wichtig zu wissen ist, dass die BVI-Zahlen nicht unser gesamtes Deutschlandgeschäft widerspiegeln, sondern nur das mit Publikumsfonds, im Wesentlichen also das Retail- und Wholesale-Geschäft. 2017 war mit Blick auf die größten Fondsselektoren wie Dachfondsmanager für uns kein so gutes Jahr. In US-Aktienfonds haben wir einige Assets verloren, was hauptsächlich auf eine schwächere Performance zurückzuführen war. In manchen unserer Anleihenfonds gab es Abflüsse, weil die Kunden ihre Renten-Allokationen teilweise deutlich reduzierten – sie schrieben dieser Assetklasse schlechtere Aussichten zu. Einen starken Aufschlag erwarten wir 2018 beim Thema Japan. Ron Slattery ist als Fondsmanager zurück. Er hatte unseren Japan Advantage Fund bereits von Februar 2007 bis September 2012 gemanagt und den japanischen Topix-Index in dieser Zeit um 6,7 Prozentpunkte pro Jahr geschlagen. Das könnte das Fonds-Comeback des Jahres werden.

Wie sieht es im breiteren Vertrieb aus, abseits des Geschäfts mit professionellen Fondsselektoren?

Hellers: Dort konnten wir schöne Erfolge erzielen. Uns freut insbesondere, dass derzeit viele Themen auf Resonanz stoßen. Beispielsweise haben unsere Globale-Dividenden- sowie Multi-Asset-Lösungen zunehmend Erfolg. So konnten Portfolios wie unsere Multi-Asset-Smart-Fonds sowie unser Multi-Asset-Income-Produkt Zins & Dividende im vergangenen Jahr eine gute Performance aufweisen. Sie haben nun endlich auch einen Trackrecord über fünf Jahre. Diese Produkte könnten sich 2018 zu Verkaufsschlagern entwickeln. Einen positiven Trend sehen wir auch bei unseren Schwellenländerfonds, sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen. Technologie ist ebenfalls zu einem langfristigen Thema geworden. In unserem Global Technology Fund sehen wir im Breitenvertrieb täglich Zuflüsse.

Sie haben das Wholesale-Team jüngst restrukturiert, drei Stellen gingen dadurch verloren. Was versprechen Sie sich von der neuen Aufstellung?

Hellers: Die neue, flachere Struktur ermöglicht es uns, schneller auf die Kundenbedürfnisse einzugehen und Synergien zwischen den verschiedenen Kundengruppen zu heben. So unterstützt unser neues CRM-System eine effizientere Ansprache: Wir können die Kunden noch zielgerichteter und mit den für sie relevanten Themen ansprechen. Unsere Produktpalette möchten wir künftig noch mehr an den Anlegerbedürfnissen ausrichten. Dabei hilft uns unsere regionale Struktur, die von unseren Kunden zunehmend honoriert wird. Das zeigt sich auch an der Umfrage von FONDS professionell unter Beratern zur Service-Qualität der Investmentgesellschaften, bei der wir uns jüngst deutlich verbessern konnten.

Danke für das Gespräch. (bm)