Die Pfandleihe-Beteiligungen des früheren Initiators Fidentum stehen seit Monaten im Feuer. Die Anleger erhalten seit langem die versprochenen Auszahlungen nicht. Betroffen sind die Produkte "Schroeder Lombard", "Lombard Plus" und "Lombard Classic" 1 bis 3. Nun hat die Erste Oderfelder Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG Insolvenz angemeldet. Gemäß des letzten verfügbaren Jahresabschlusses für das Jahr 2013 hat die Gesellschaft offenbar mehr als 100 Millionen Euro Anlegerkapital in ihrer Verantwortung.

Die Erste Oderfelder Beteiligungsgesellschaft ist Emittentin der Beteiligungsangebots "Lombard Classic" und "Lombard Classic 2", die das Unternehmen Fidentum in den Jahren 2010 und 2011 auf den Markt gebracht hat. Die Anleger haben sich als stille Gesellschafter an der Gesellschaft beteiligt, die das Investorenkapital in Form von Darlehen an das Pfandleihhaus Lombardium Hamburg weitergereicht hat. Die Laufzeit der stillen Gesellschaft ist mit drei Jahren prospektiert. Die Anleger sollten eine jährliche Auszahlung von 7,0 beziehungsweise 7,15 Prozent und am Ende ihr eingesetztes Kapital zurück erhalten.

Bafin zieht den Stecker im Pfandleihhaus
Im Dezember 2015 hat die Bafin dem Pfandleiher Lombardium die Rückabwicklung verordnet. Lombardium habe Inhabergrundschuldbriefe und Inhaberaktien beliehen und betreibe dadurch das Kreditgeschäft ohne die erforderliche Erlaubnis, stellte die Bafin fest. Lombardium-Gründer Patrick Ebeling war anderer Ansicht und wollte gegen die Bafin-Verfügung vorgehen. Die Fidentum-Anleger sollten sich an einer "Auffanggesellschaft beteiligen, um auch mögliche Verluste durch die Bafin-Verfügung bestmöglich auffangen zu können".

Fidentum meldete im Dezember 2015 Insolvenz an, das Verfahren wurde noch im selben Monat eröffnet. Das Unternehmen wurde 2009 unter anderem von Michael Schroeder gegründet. 2011 übernahm Robin Miethe die Gesellschaft, zwei Jahre später folgte Lars Wüstemann. Fidentum hat drei Fonds aufgelegt, den "Lombard Classic 3" hat der Initiator im November 2015 geschlossen. Zu dieser Zeit stand Fidentum bereits seit längerem wegen negativer Fondsentwicklungen in der Kritik.

Staatsanwaltschaft untersucht Betrugsvorwürfe
Nach übereinstimmenden Medienberichten gibt es erhebliche Ungereimtheiten bei den Lombardgeschäften. Die Pfandgegenstände sollen tatsächlich nur einen Bruchteil dessen wert sein, was die Treuhänderin der Fonds im Sommer 2015 angegeben hatte. Es seien 280 Pfändern ein Wert von rund 250 Millionen Euro zugeschrieben worden, obwohl sie laut Pfandlisten der Fonds nur 14 bis 19 Millionen Euro wert sein sollen.

Nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg nun gegen Lombardium wegen des "Verstoßes gegen das Kreditwesengesetz". Außerdem gehen die Ermittler Berichten zufolge einem Betrugsverdacht nach, weil das Anlegerkapital unter Umständen zweckentfremdet verwendet worden ist. Die Ermittlungen sollen sich gegen insgesamt 12 Personen richten, darunter Lombardium-Geschäftsführer Patrick Ebeling. Im Juni gab es im Pfandleihhaus Lombardium und an weiteren Adressen gezielte Hausdurchsuchungen. (ae)