Schließen deutsche Banken weiter massiv Filialen – oder verlangsamt sich die Entwicklung? Zwei Auswertungen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, wie das "Handelsblatt" berichtet. Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigen, dass die Zahl der Zweigstellen 2021 um gerade mal 118 Standorte auf 23.982 gesunken sein soll. Eine Schätzung des Analysehauses Barkow Consulting, die der Wirtschaftszeitung vorliegt, kommt dagegen zu einem anderen Ergebnis. 

Demnach sollen im vergangenen Jahr beinahe 1.400 Filialen geschlossen worden sein – mindestens. Bei den Genossenschaftsbanken dürften es rund 490 Filialen, bei den Sparkassen knapp 420 Zweigstellen gewesen sein, leitet Barkow aus Statistiken ab, die deren Verbände veröffentlicht haben. Den Publikationen von Commerzbank und Deutscher Bank entnimmt Barkow zudem Schließungen von zusammen mehr als 370 Filialen, so das "Handelsblatt". 

Unterschiedliche Definitionen
Die Definition einer Bankfiliale, die Barkow Consulting nutzt, ist strenger als die der Notenbank: Partnerfilialen in Paketshops, wie sie bei der Postbank vorkommen, oder Kundenbüros von Bausparkassen lässt die Beratungsgesellschaft anders als die Bundesbank, die solche Standorte aus regulatorischen Gründen mitzählt, nicht gelten. In der Vergangenheit kam man bei Barkow Consulting daher meist auf geringere Rückgänge bei der Zahl der Filialen. Das lege nahe, dass die Schätzungen sogar eher konservativ sind, schreibt die Wirtschaftszeitung.

Die EZB wies auf "Handelsblatt"-Anfrage darauf hin, dass es sich bei den von ihr genannten Daten um vorläufige Zahlen handle. Das entspreche der üblichen Praxis. "Wir überprüfen mit den nationalen Notenbanken einige Zahlen, die bei Bedarf mit dem nächsten Update revidiert werden können", lässt sich ein Sprecher zitieren. Eine Sprecherin der Bundesbank, die bei den Erhebungen der EZB die Daten für Deutschland zuliefert, betonte dem "Handelsblatt" zufolge, bei den Daten handle es sich "um Schätzungen, die noch nicht belastbar sind". Dem Vernehmen nach haben diese Schätzungen in der Vergangenheit gut funktioniert. Dieses Mal scheint es allerdings größere Diskrepanzen zu geben. 

Mitteilungen von Banken stützen ebenfalls die Einschätzung der Beratungsfirma. Die Commerzbank deutete vergangene Woche an, dass sie die Zahl ihrer Standorte auch unter die für das Jahresende angepeilte Zahl von 450 Zweigstellen senken könnte. Und der für Deutschland zuständige Privatkundenchef der Deutschen Bank, Lars Stoy, hat angekündigt, dass er möglichst viele Filialen des Instituts bargeldlos gestalten will. (jb)