Die Deutschen gelten im internationalen Vergleich immer noch als Börsenmuffel. Die Verbraucher in anderen Ländern wie den USA oder Großbritannien setzen stärker auf Aktien – auch in der Altersvorsorge. Hierzulande überlegen sich daher viele Finanzexperten, wie sie Deutschen die Angst vor der Börse und Aktieninvestments nehmen können. Einer ist Stefan Steib, der hinter dem 2018 gegründeten Fintech Fincraft steht. 

Sein Angebot an deutsche Privatanleger: "Wir haben Analyse- und Advice-Tools entwickelt, damit Anleger mit einem Plan und nicht einfach nur auf gut Glück an der Börse unterwegs sind. Unsere Systeme helfen ihnen mit Erklärungen zur Funktionsweise von Märkten und Anlagestrategien und unterstützen sie bei der selbstständigen Umsetzung von Investments", so der Vorstandsvorsitzende des mittlerweile in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Start-ups. Natürlich alles digital, so wie es Anleger heute wünschen, die Fincraft übers Internet und Onlinemarketing wirbt.

Ausprobieren ohne echtes Geld
Im Detail bietet das in Bad Homburg ansässige Start-up mit seinem insgesamt fünfköpfigen Team seit April dieses Jahres die Möglichkeit, in mehreren Depots verschiedene Anlagestrategien auszuprobieren – zunächst ohne echtes Geld zu investieren. Fincraft stellt dafür Portfolioübersichten, Aktien- und ETF-Screener sowie ein Portfoliomanagementsystem zur Verfügung. "Am Anfang wird das Profil des Kunden ermittelt, insbesondere seine Risikoneigung, um ihn einem Anlegertyp zuzuordnen. Dann schlägt das System eine übergeordnete Strategie bestehend aus verschiedenen Assets vor, die der Kunde aber anpassen kann. Schließlich wird die Strategie je Assetklasse mit konkreten Wertpapieren bestückt. Alternativ kann der User aber auch abkürzen und einfach ein zu seinem Anlegertyp passendes Musterportfolio wählen", so Steib. 

Dann werden die Depots zunächst beobachtet. Wichtig ist Steib zufolge, die Anleger auch hier weiter zu begleiten und zu beraten. So geben die Systeme von Fincraft Hinweise, wenn eine Strategie nicht mehr zum ausgesuchten Anlegerprofil passt oder wenn sie oder nur bestimmte Aktien zu sehr ins Minus rutschen und das Depot rebalanciert werden sollte. 

Wenn Strategie funktioniert: Anlegen mit echtem Geld
Wenn die Kunden dann meinen, eines ihrer Depots funktioniert für sie, können sie echtes Geld in die Strategie investieren. Dafür wird Fincraft, das unter dem Haftungsdach der Bank für Vermögen agiert, ab dem kommenden Jahr zusammen mit der Baader Bank einen Brokerage-Service anbieten. Eine weitere Einnahmequelle des Fintechs sind Abonnements, zwei Varianten für 3,99 oder 8,99 Euro im Monat stehen zur Auswahl – je nach gewünschter Nutzung der Tools. Eine kostenfreie Basisversion gibt es auch, dann aber mit Werbung. Übrigens: Das Angebot von Fincraft richtet sich nicht nur an Börsenneulinge, sondern auch an erfahrene Anleger, die Tools der Gesellschaft nutzen können. (jb)


In der Ausgabe 4/2022, die Ende November erscheinen wird, stellt FONDS professionell neben Fincraft noch drei andere Fintechs vor.