Der australische Fondsanbieter First Sentier Investors will sein Deutschlandgeschäft deutlich ausbauen. "Wir forcieren den Vertrieb hierzulande", sagte Emmanuel Litique, Leiter der Frankfurter Niederlassung, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. "Dafür wollen wir perspektivisch unter anderem weitere Mitarbeiter einstellen." First Sentier firmierte bisher als First State Investments. Die Asset-Management-Tochter der australischen Commonwealth Bank war 2019 vom japanischen Konzern Mitsubishi UFJ Trust and Banking übernommen worden.

Die Region Europa, Nahost und Afrika stelle immerhin den zweitgrößten Absatzmarkt für First Sentier dar, und "Deutschland ist innerhalb dessen ein strategischer Kernmarkt", erläuterte Litique. "Wir bauen unser Geschäft weiter aus", sagte der Niederlassungsleiter. "Dabei verfolgen wir einen mittelfristigen Horizont und gehen strategisch Schritt für Schritt vor." Der Unternehmensführung und dem Eigentümer Mitsubishi UFJ Trust and Banking sei aber auch klar, dass nicht alle Ziele von heute auf morgen zu erreichen seien.

"Kein zentraler Investmentchef"
Nach der Übernahme durch den japanischen Finanzkonzern benannte sich das Haus um und tritt nun weltweit unter einer einheitlichen Marke auf. Zuvor firmierte die Gesellschaft im Heimatmarkt als Colonial First State. "Die Umbenennung haben wir unseren Kunden schrittweise nähergebracht", berichtete Litique, der zuvor bei Mandarine Gestion den Vertrieb für Deutschland, die Schweiz und Luxemburg leitete. "Mittlerweile ist die neue Marke bei unserer Stammkundschaft gut positioniert."

Die Strategie von First Sentier bleibe trotz des Besitzerwechsels unangetastet. Das Haus arbeite auch mit Mitsubishi UFJ als Eigentümer eigenständig, betonte Litique, der vor zwei Jahren zu First State gestoßen war. "Unsere Investmentteams verfolgen weiterhin ihre bewährten Strategien. Wir hatten bislang keinen zentralen Investmentchef, und daran halten wir fest."

"Eigene Anlagekultur entwickelt"
Unter dem Dach von First Sentier agieren die Investmentteams von FSSA und Stewart Investors sowie Igneo für Infrastruktur. "Die Teams verfolgen ihre eigenen Investmentgrundsätze und haben jeweils eine eigene Anlagekultur entwickelt", sagte Litique. "Auch wenn diese Teams ihre eigenen Ansätze und Stile verfolgen, bilden wir zusammen ein Haus mit gemeinsamen Werten, etwa im Bereich Nachhaltigkeit und Governance."

Eine Kernkompetenz des Hauses stellen Investments in der Region Asien-Pazifik dar. "Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Governance", erklärte Litique. "In Asien kommt dem Vertrauen in das Management eines Unternehmens eine besonders wichtige Rolle zu." Denn die Datenqualität in Bezug auf ESG-Faktoren sei in der Region eher gering. "Unsere Investmentteams sammeln daher vor Ort eigene Fakten und bilden sich auf dieser Basis eine eigene fundierte Meinung." Ein weiteres wichtiges Thema sei Kerninfrastruktur. "Viele Unternehmen in diesem Bereich wurden von der Corona-Pandemie getroffen", räumte der Länderchef ein. "Doch 2022 hat sich das Blatt gewendet." Dies eröffne Investoren Chancen. (ert)