Als die Anleger von Jardine Matheson, einem asiatischen Mischkonzern und ein Schwergewicht am Marktplatz Singapur, am Donnerstagmorgen auf die Kurse schauten, dürften sie erblasst sein: Quasi über Nacht, im vorbörslichen Handel, war die Aktie um mehr als 80 Prozent eingebrochen. Grund war nach Angaben des "Handelsblatts" eine mysteriöse Flut an Verkaufsorders in der Phase zwischen den beiden Handelstagen, wie der Börsenbetreiber Singapore Exchange (SGX) im Nachhinein mitteilte. 

Das frischgebackene Schnäppchenpapier war nach dem Crash für 10,99 US-Dollar zu haben. Zum Vergleich: Am Vorabend hatte die Aktie noch bei 66,47 Dollar geschlossen. Erste Vermutungen von Anlegern, dass ein "Fat Finger", also menschliches Versagen in Form eines Tippfehler bei der Ordereingabe, die Ursache des drastischen Preisverfalls gewesen sein könnte, dementiert die Börse. Auch vorsätzliche Manipulation war ihren Angaben zufolge nicht im Spiel. "Der Handel lief regulär, und es gab keine Anzeichen für Manipulationen", heißt es von SGX.

Trades im Nachhinein nicht gecancelt
Die Börsenleitung erklärt weiter, dass die Verkaufsorders hauptsächlich Marktaufträge waren. Institute verwenden sie normalerweise, um den Umfang einer Bestellung festzulegen – nicht aber den Preis. Zwar ist die Empörung vieler Anleger groß. Doch sie hätten ausreichend Zeit gehabt zu reagieren, heißt es in einer Erklärung der Börse. Dazu hätten sie ihre Aufträge allerdings vor Marktöffnung zurückziehen müssen, damit die Aktien nicht zum Schnäppchenpreis rausgehen. 

Nach dem Schock hat sich dias Papier schnell wieder erholt. Immerhin ist Jardine Matheson normalerweise das Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung Singapurs. Zwar hatte der Konzern kurzzeitig 41 Milliarden Dollar an Wert verloren. Letztendlich schloss die Aktie dann aber sogar ein halbes Prozent im Plus. (fp)