Bei einer Umfrage unter 19 Banken in Deutschland und Österreich gab rund ein Fünftel an, bereits Sustainability-Linked Loans (SSLs) anzubieten, das sind Kredite, deren Zinssätze sich mit dem Erreichen von Nachhaltigkeitszielen verbessern oder im umgekehrten Fall verschlechtern. Weitere 17 Prozent planen die Einführung solcher nachhaltigkeitsgebundener Zinsinstrumente.

Die Zahlen stammen aus dem soeben veröffentlichten Marktbericht 2026 des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG), das dafür im ersten Quartal 2026 insgesamt 77 Finanzinstitute befragt hat, darunter neben den Banken auch Asset Manager und Institutionen wie Stiftungen, Versicherungen, Pensionskassen und öffentliche Einrichtungen.

Nachhaltigkeit bei Unternehmen verankert
Der Bericht legt nahe, dass bei der Nachhaltigkeit der Zug abgefahren ist – im positiven Sinn. Während das Thema in Ländern wie den USA von oben öffentlich diffamiert wird und auch in Europa die Politik angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen ESG (Environmental, Social, Governance) derzeit weniger priorisiert, handeln Fondsgesellschaften, institutionelle Anleger und Banken ganz anders.

Sie haben die Nachhaltigkeit in ihren Anlagestrategien vertieft. 29 Prozent aller Befragten berichteten, ihr ESG-Produktangebot ergänzt zu haben, lediglich ein Prozent reduzierte die Produktpalette. 70 Prozent nahmen keine Änderung vor. Keiner der Befragten plant einen Rückbau des Angebots, wie FNG mitteilt. Die nachhaltige Finanzbranche sei "resilient gegen den aktuellen politischen Gegenwind", so Marian Klemm, Vorstandsvorsitzender des FNG. 

Anleihen: Erneuerbare Energien dominieren
Erstmals wurden in dem jährlichen Bericht Daten zu Anleihen wie Green Bonds, Social Bonds und Sustainability-Linked Bonds gesammelt. Demnach dominiert bei den Investoren das Thema erneuerbare Energien: 74 Prozent gaben an, Anleihen aus diesem Sektor in ihrem Portfolio zu haben. Auf dem zweiten Platz folgt Energieeffizienz mit 64 Prozent. Mit einem Anteil von jeweils knapp 50 Prozent sind die Sektoren Bau, nachhaltiger Verkehr und Wassermanagement vertreten. Anleihen aus den Branchen Abfallmanagement (36 Prozent) und Landnutzung (31 Prozent) spielen eine deutlich geringere Rolle.

Auch die Emittenten haben den Vorteil nachhaltiger Anleihen erkannt: Alle Finanzinstitute, die diese Frage beantworteten, gaben an, dass der Zugang zu neuen Investorenkreisen ein Hauptgrund für die Emission ist. Die überwiegende Mehrheit (83 Prozent) nannte außerdem den Beitrag zu Klima-, Umwelt- oder sozialen Zielen, eine steigende Nachfrage und die Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie als Hauptbeweggründe.

Hoffen auf Überarbeitung der SFDR
Größtes Hemmnis für die Entwicklung nachhaltiger Geldanlagen ist für die Befragten die EU-Regulatorik. Besserung verspricht die von der EU-Kommission geplante Überarbeitung der EU-Offenlegungsverordnung (Englisch: Sustainable Finance Disclosure Regulation – SFDR). Die Konsultation dafür endete Anfang April. Der Vorschlag zur SFDR 2.0 sieht unter anderem drei Nachhaltigkeitskategorien für Finanzprodukte samt regulatorischen Mindestanforderungen vor, die einen Vergleich ermöglichen sollen. (eml)