Die Deutsche Bank bezahlt ihre oberste Führungsriege im Vergleich zu anderen europäischen Geldhäusern überdurchschnittlich gut – bei einer unterdurchschnittlichen Performance. Das sagt Alexandra Annecke, Fondsmanagerin bei Union Investment, im Interview mit dem "Handelsblatt". Sie ist skeptisch, ob die Deutsche Bank ihren Aktionären ab dem kommenden Jahr tatsächlich wie geplant Kapital in Höhe von fünf Milliarden Euro zurückgeben kann. Selbst, wenn die Bank es schaffe, sei sie damit ziemlich spät dran. "Andere Banken wollen ihren Aktionären schon heute Kapital in nennenswerter Höhe zurückgeben", kritisiert Annecke und spricht von einem "eklatanten Missverhältnis zwischen Boni und Dividenden".

Der Vorstand fährt ICE, die Aktionäre stehen am Bahnhof
Hierfür könne man aus ihrer Sicht nicht die Anteilseigner verantwortlich machen. "Die Aktionäre stimmen auf der Hauptversammlung nur über das Vergütungssystem, also die Leitplanken der Vorstandsvergütung, ab", erklärt die Fondsmanagerin. Der Aufsichtsrat müsse dafür sorgen, dass die Höhe der Vergütung in einem angemessenen Verhältnis zur Wertschaffung für die Aktionäre steht. "So ist es aber, als ob der Vorstand in der 1. Klasse im ICE davonfährt, während die Aktionäre am Bahnsteig zurückbleiben."

Grundsätzlich sei Deutschlands größtes Geldhaus allerdings auf einem guten Weg aus der Krise. "Ihre Kosten scheint die Bank im Griff zu haben, auch die Risikovorsorge ist angesichts der Pandemie vergleichsweise moderat geblieben", urteilt Annecke. Es habe sich bezahlt gemacht, dass das Institut über ein starkes Kapitalmarktgeschäft verfügt. Dass die Deutsche Bank wieder abhängiger vom Investmentbanking ist, ist laut der Fondsmanagerin momentan kaum vermeidbar. "Das Privat- und Firmenkundengeschäft ist wegen des aktuellen Zins- und Konjunkturumfelds nun einmal weniger profitabel als erhofft", sagt sie. "Insofern waren die Einnahmen der Investmentbank auch ein Segen." (fp)