Einige wenige Anbieter vereinen quasi das gesamte Neugeschäft auf sich: Dieses "Winner takes it all"-Phänomen gilt für Investmentfonds in verschärfter Form – insbesondere in den USA, weniger in Europa. Das geht aus einer jüngst veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) hervor.

In den Vereinigten Staaten sammelten Publikumsfonds im vergangenen Jahr netto 129 Milliarden US-Dollar aus, geht aus der Erhebung hervor. Doch dieser Betrag verteilt sich keineswegs gleichmäßig über die zahlreichen US-Asset-Manager. Vielmehr verbuchte allein Vanguard 197 Milliarden Dollar Zuflüsse – ohne den Indexfondsgiganten wäre die Gesamtstatistik also negativ ausgefallen. Blackrock sammelte weitere 148 Milliarden Dollar mit Publikumsfonds ein, die drittplatzierte Capital Group 41 Milliarden.

Insgesamt vertrauten Anleger den zehn absatzstärksten US-Fondsanbietern 501 Milliarden US-Dollar an. Das entspricht 81 Prozent der Summe aller Asset Manager mit Mittelzuflüssen in den Vereinigten Staaten, die sich auf 620 Milliarden Dollar beläuft. Weil es auf der anderen Seite aber auch Investmentgesellschaften mit herben Abflüssen von insgesamt 491 Milliarden Dollar gab, blieb am Ende der oben erwähnte Nettomittelzufluss von überschaubaren 129 Milliarden Dollar übrig.

Die Zahlen für Europa sehen ganz anders aus
In Europa sehen die Zahlen ganz anders aus, auch wenn das Nettomittelaufkommen im vergangenen Jahr mit 103 Milliarden Dollar fast an das US-Niveau heranreichte. Auf dem "alten" Kontinent vereinen die zehn absatzstärksten Asset Manager bloß 29 Prozent der Zuflüsse aller Vermögensverwalter mit positivem Mittelaufkommen auf sich. Selbst die Top-3-Gesellschaften UBS, Vanguard und Natixis sammelten unter dem Strich nur jeweils 15 bis 16 Milliarden Dollar ein – das sind ganz andere Größenordnungen als in den USA.

Insgesamt summieren sich die Zuflüsse bei den Anbietern mit positivem Netto-Mittelaufkommen in Europa auf 387 Milliarden Dollar. Diesen Häusern stehen Wettbewerber gegenüber, aus deren Fonds Anleger im vergangenen Jahr in Summe 283 Milliarden US-Dollar abzogen.

Trend zu passiven Investments in den USA besonders ausgeprägt
Die BCG-Berater erwarten, dass das "Winner takes it all"-Phänomen auch in absehbarer Zeit in Europa weniger stark ausgeprägt sein wird als in den USA. Als Grund nennen sie den fragmentierten Markt und Unterschiede im Vertrieb. Eine Rolle dürfte auch spielen, dass der Trend zu passiver Geldanlage in den Vereinigten Staaten noch deutlich ausgeprägter ist als in Europa. Weil im Indexfondsgeschäft Skaleneffekte besonders zum Tragen kommen, profitieren von diesem Trend wenige Häuser besonders stark. (bm)