Die Deutsche Bank und ihr Vermögensverwalter DWS erwägen den Erwerb einer bedeutenden Minderheitsbeteiligung an der Frankfurter Leben, einem Konsolidierer von Lebensversicherungsbeständen, berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg" unter Berufung auf Insider. Ein solcher Schritt könnte eine Rückkehr des Frankfurter Geldhauses in das Segment markieren.

Beide Häuser könnten frisches Kapital in die Frankfurter-Leben-Gruppe einbringen und sich damit an dem Unternehmen beteiligen, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das von Fosun International kontrollierte Unternehmen verwaltet rund 700.000 Versicherungsverträge und verfügt über ein Anlageportfolio von etwa 13 Milliarden Euro. Es beschäftigt rund 170 Mitarbeiter.

Ambitioniertere Akquisitionsstrategie möglich
Mit der Unterstützung der Deutschen Bank und der DWS könnte die Frankfurter Leben eine ambitioniertere Akquisitionsstrategie verfolgen und möglicherweise wieder neue Lebensversicherungspolicen zeichnen, sagten die Personen. Zu den potenziellen Übernahmezielen könnte auch das deutsche Lebensversicherungsportfolio von Zurich Insurance gehören, das Vermögenswerte von rund 20 Milliarden Dollar umfasst und derzeit zum Verkauf steht, sagten einige der Personen.

Zu den weiteren derzeit am Markt verfügbaren Lebensversicherungsportfolios zählt demnach das sogenannte Condor-Portfolio der R+V Versicherung. Athora, zu dessen Anteilseignern Apollo Global Management gehört, erwägt den Verkauf seines Deutschlandgeschäfts, nachdem es dem Unternehmen schwergefallen ist, sich auf dem Markt zu behaupten.

Die Gespräche dauern an, sagten die darüber informierten Personen. Ein Deal sei indessen nicht sicher. Sprecher der Deutschen Bank, der DWS und der R+V lehnten Stellungnahmen ab. Fosun reagierte außerhalb der Geschäftszeiten in Hongkong nicht auf eine Anfrage.

Rückkehr in ein aufgegebenes Geschäftsfeld
Für die Deutsche Bank wäre ein Wiedereinstieg in das Lebensversicherungsgeschäft eine Kehrtwende. Das Institut hatte sich vor rund einem Jahrzehnt vollständig aus dem Segment zurückgezogen und seine Einheit Abbey Life an Phoenix Life verkauft.

Bereits im Jahr 2002 hatte Deutschlands größter Kreditgeber sein Lebensversicherungsgeschäft Deutscher Herold an Zurich Insurance veräußert – jenes Portfolio, dessen Verkauf der Schweizer Konzern nun prüft.

DWS mit längerem Interesse an Lebensversicherungen
Die DWS beschäftigt sich seit einiger Zeit mit einem möglichen Einstieg in das Lebensversicherungsgeschäft sowie in die Verwaltung entsprechender Vermögenswerte. Der in Frankfurt ansässige Fondsmanager hatte sich zuvor mit Prudential Financial und PG3 – dem Family Office der Gründer der Partners Group Holding – für ein mögliches Gebot für Viridium, Deutschlands größten Konsolidierer für Lebensversicherungen, zusammengeschlossen.

Ein Konsortium unter Beteiligung von Allianz und Blackrock erwarb Viridium im vergangenen Jahr. (mb/Bloomberg)