Asset Manager sollen nicht nur hohe Renditen erwirtschaften, sondern das Geld der Kunden auch verantwortungsbewusst anlegen. Dafür plädierte Anne Richards, Vorstandschefin von Fidelity International, auf dem Investment Forum 2020 der Fondsgesellschaft in Frankfurt. Rund um den Globus würden soziale, politische sowie ökologische und ökonomische Spannungen zunehmen, erläuterte Richards in ihrer Eröffnungsrede den Hintergrund für diese Forderung. "Die Welt ist eine Glocke, die einen Riss hat: sie klappert, aber klingt nicht", zitierte Richards Johann Wolfgang von Goethe.

Diese Zerwürfnisse würden letztendlich auch die Investmentbranche erreichen, sagte Richards. Daher müsse auch die Branche der Vermögensverwalter sich auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Umbrüche einstellen. "Der weltumspannende, freie Kapitalverkehr ist bedroht", konstatierte die Managerin, die Ende 2018 von der Spitze des britischen Traditionshauses M&G zu Fidelity gewechselt war. "Ich hege Zweifel, ob die Finanzmärkte so widerstandsfähig gegenüber Spannungen sind, wie wir es uns erhoffen."


"Kapital kann nicht frei durch den Körper der Weltwirtschaft fließen"
Zwar versuchten Politik und Aufsicht seit der Finanzkrise, die Kapitalmärkte krisenfest zu machen. "Das ist grundsätzlich gut. Doch zunehmend treten unerwünschte Nebenwirkungen zutage", so Richards. Aufgrund der strikten Regeln würde in einigen Ländern und Branchen, ja sogar in einzelnen Unternehmen Kapital angehäuft. "Das Kapital kann nicht frei durch den Körper der Weltwirtschaft fließen. In bestimmten Bereichen kann die Liquidität versiegen."

Als weiteres, wichtiges Spannungsfeld nannte die Elektroingenieurin die Endlichkeit natürlicher Ressourcen, die auch die Finanzbranche vor Umwälzungen stellen werde. Richards zog Parallelen zu der Geschichte der Osterinsel. Die Bewohner des vor Chile gelegenen Eilands hatten über die Jahrhunderte monumentale Steinstatuen mit überdimensionalen Köpfen errichtet – und für deren Bau sämtliche Wälder der Insel abgeholzt. "Wir wissen um die Endlichkeit der Ressourcen. Heute würden wir nicht mehr sämtliche Bäume abholzen, oder?", stellte Richards als Gewissensfrage.

"Monetarismus ist gegen die Wand gefahren"
Die Fidelity-International-Chefin appelliert angesichts der Knappheit von Ressourcen dafür, die Philosophie hinter dem Wirtschaftswachstum zu überdenken. Klassische, ökonomische Theorien wie die des marktliberalen Milton Friedman seien überholt. "Konzepte wie der Monetarismus und der Vorrang der Anteilseigner von Unternehmen sind gegen die Wand gefahren", formulierte es Richards. Vielmehr gelte es nun, Konzepte für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu entwerfen, das mit den vorhandenen Ressourcen auskommt und etwa auf die Wiederverwendung oder das Teilen von Gütern setzt.

Zudem übertreffe die Bedeutung einiger Großkonzerne mittlerweile die von Staaten. Unternehmen könnten daher nicht mehr allein mit Fokus auf den Vorteil der Anteilseigner geführt werden, erläuterte die Managerin. Stattdessen müssten Konzerne das Wohl aller beachten, also von Mitarbeitern und Kunden über Zulieferer bis hin zur Umwelt und der Gesellschaft. Auf dieses sich wandelnde Umfeld müsse sich auch die Asset-Management-Industrie einstellen. "Wenn wir uns nicht anpassen, laufen wir Gefahr, zurückgelassen zu werden", betonte Richards. (ert)