Fondshaus-Fusionen: Das passiert hinter den Kulissen
In der Fondsbranche stehen immer wieder Zusammenschlüsse an. Diese benötigen mitunter viel Zeit. Im Hintergrund herrscht derweil hektische Betriebsamkeit. Denn zahlreiche Leitfragen müssen geklärt – und dabei nach wie vor wettbewerbsrechtliche Hürden beachtet werden.
Immer wieder kommt es in der Fondsbranche zu Übernahmen und Fusionen, die teils erstaunlich viel Zeit benötigen. Jüngstes Beispiel ist das Zusammengehen der Asset-Management-Einheit der französischen Großbank BNP Paribas mit der des gleichfalls französischen Versicherers Axa. Im August 2024 angekündigt, wurden die Verträge vor Weihnachten unterzeichnet. Die Führungsposten des vereinten Hauses wurden dann im Juli 2025 benannt. Und die Verschmelzung ist damit noch lange nicht abgeschlossen.
Die Transaktion liegt gleichwohl im Zeitplan, wie Branchenkenner berichten. Denn in den Monaten, die nach außen hin scheinbar ereignislos verstreichen, herrscht hinter den Kulissen hektische Betriebsamkeit. "Vor einem Unternehmenszusammenschluss steht eine Reihe an regulatorischen und juristischen Hürden, die überwunden werden müssen", erläutert Kamil Kaczmarski, Partner bei der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman und dort für das Asset Management zuständig. "Dies führt zu einer mitunter monatelangen Zeitleiste."
Wettbewerbsrechtliche Hürden
Bei der Klärung aller Fragen ringen die Beteiligten obendrein mit einer Hürde. "Bis zum juristischen Abschluss einer Übernahme gelten beide Parteien kartellrechtlich nach wie vor als Wettbewerber", sagt Kaczmarski. "Die beiden Seiten dürfen keine tiefergehenden Informationen austauschen – auch wenn eine einvernehmliche Vereinbarung zum Kauf geschlossen wurde." Die Beteiligten dürfen allenfalls Vorarbeiten leisten und Analysen erstellen.
"Über ein Zielbild, wie eine gemeinsame Organisation künftig aussehen soll, darf aber in der Regel noch keine Entscheidung mitgeteilt werden", so der Oliver-Wyman-Berater. Niklas Nolzen, Partner und Asset-Management-Experte der Beratungsgesellschaft McKinsey, betont: "Bis zum Closing eines Deals gelten beide Seiten als separate Unternehmen. Aus Datenschutz- und Wettbewerbsgründen gilt bis dahin eine Trennung."
Weichenstellungen vorbereiten
Um Weichenstellungen trotz des wettbewerbsrechtlichen Trennungsgebots vorbereiten zu können, bauen die Unternehmen oft ein sogenanntes Clean Team auf. "In diesen Teams darf mit sensitiven Informationen gearbeitet werden", erläutert Nolzen. "Dabei handelt es sich um separierte Teams, die mit Mitarbeitenden von beiden Seiten sowie externen Beratern besetzt sind." In diesen Clean Teams würden Empfehlungen erarbeitet. "Auf deren Basis können nach einem Closing möglichst rasch Entscheidungen getroffen werden", so Nolzen.
Warum Zusammenschlüsse im Asset Management immer länger dauern und wie die beteiligten Unternehmen sicherstellen können, dass Kunden wie Mitarbeiter an Bord bleiben, erfahren Sie in der Langversion dieses Artikels, der in Ausgabe 3/2025 von FONDS professionell erschienen ist. Angemeldete Leser finden den Artikel auch hier im E-Magazin.
Allein diese Truppe erhalte Einblick in vertrauliche Informationen der anderen Seite. Auch personelle Weichenstellungen dürfen die Mitglieder dieser Gruppe vorbereiten. "Nur die Mitglieder dieses Teams dürfen sich treffen, alle Karten auf den Tisch legen und offen über Kennzahlen und Namen sprechen", formuliert es Kaczmarski. Einem Clean Team ist es dann auch untersagt, konkrete Zahlen und Geschäftsdetails nach außen zu geben.
Vertrauliche Informationen
"Normalerweise dürfen keine vertraulichen Informationen ausgetauscht werden, etwa die Kundenlisten", sagt Kaczmarski. "Bei Asset Managern dürfen auch nicht die Preise für die einzelnen Mandate geteilt werden, die in der Regel individuell verhandelt werden." Lediglich generelle Aussagen, etwa die durchschnittlichen Gebühreneinnahmen im Aktien- oder Anleihenangebot, seien zulässig.
Für die Mitglieder des Clean Teams birgt die besondere Position bei einem Zusammenschluss aber auch ein gewisses Karriere-Risiko: Sollte eine Transaktion nicht zustande kommen, dürfen die Mitglieder nicht mehr in wichtige strategische Entscheidungen ihres Unternehmens involviert sein, berichtet Branchenkenner Kaczmarski. (ert)




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