Ein Verkauf des Fondsanbieters GAM oder ein Zusammenschluss mit einem anderen Asset Manager ist offenbar erst einmal vom Tisch. Die Schweizer Investmentgesellschaft war 2018 in eine Krise gestürzt, nach einem Skandal um Fondsmanager Tim Haywood. Der musste gehen, seine Fonds wurden liquidiert. Trotz Schadensbegrenzung zogen Anleger bis Ende 2019 rund 40 Prozent ihres Geldes aus der Investment-Management-Sparte ab, die GAM-Aktie brach ein, der Vorstandschef wurde ausgetauscht.

Medienberichten zufolge suchte das Haus 2019 aktiv nach einem Käufer. Damit scheint nun Schluss zu sein: "Zurzeit beabsichtigen wir nicht, substanzielle Teile unseres Geschäfts zu verkaufen", sagt Vorstandschef Peter Sanderson im Gespräch mit der Schweizer Zeitung "Finanz und Wirtschaft".

Sanderson hat dem taumelnden Vermögensverwalter ein rigides Sparprogramm verordnet, das er nach dem Corona-Schock im März noch einmal intensiviert hat. Allein im laufenden Jahr will er mehr als 60 Millionen Euro einsparen. "Die Coronakrise hat uns hier zu einem klaren Denken und Handeln verholfen", so der GAM-Chef im Interview. Grundsätzlich gehe es darum, das Investmenthaus wieder in eine Wachstumsposition zu bringen. Dazu will Sanderson allerdings erst einmal 20 Prozent der Stellen streichen, nur 680 Jobs sollen am Ende übrigbleiben. "Es geht darum, Doppelbesetzungen abzubauen und Funktionen zu zentralisieren", sagt er. Auch bei Neueinstellungen wolle man künftig zurückhaltender sein.

Schlanker in die Zukunft
Insgesamt sieht Sanderson den Asset Manager gut aufgestellt. Auch GAMs Investment-Chef Matthew Beesley zeigte sich im vergangenen Jahr im Interview mit FONDS professionell optimistisch und erklärte: "Die Zutaten für den Erfolg sind da." Bei Sanderson klingt das ähnlich: "GAM wird am Ende stärker aus dieser Restrukturierung hervorgehen", sagt er. "Wir haben tolle Leute, aber eine Gesellschaft baut im Laufe ihrer Geschichte unvermeidbar Komplexitäten auf. Die Art von Komplexität, die keinen Mehrwert mehr für unsere Kunden schafft, lösen wir jetzt auf."

Sparen, umstrukturieren und letztlich wachsen seien bessere Optionen als ein Verkauf, so der GAM-Chef im Gespräch mit der Schweizer Wirtschaftszeitung. Er kann sich nach eigener Aussage sogar vorstellen, punktuell Teams zu verstärken oder ganz neue zu gründen. Wachstumschancen sieht er unter anderem bei Schwellenländer-Produkten und bei Portfolios für alternative Risikoprämien, die geringe Korrelationen zu klassischen Anlageklassen aufweisen: "Diese Produkte werden sich in der Zukunft erholen und weiter wachsen." (fp)