Die Fondsgesellschaft GAM ringt nach der Affäre um die Schließung der Fonds von Tim Haywood um das Vertrauen von Kunden und Anteilseignern. Nun hat die börsennotierte Gesellschaft neuen Ärger am Hals. Die Überwachungs- und Regulierungsabteilung der Schweizer Börse Six hat angekündigt, einen Sanktionsantrag gegen den Asset Manager einzureichen. Die Prüfinstanz wirft GAM vor, einen Posten in seinem Jahresbericht nicht korrekt zu verbuchen.

Konkret geht es dabei um Einnahmen aus erfolgsabhängigen Gebühren, die der Six zufolge zum Teil als Verbindlichkeit hätten verbucht werden müssen. Hintergrund: GAM hatte im Jahr 2016 die auf quantitative Strategien spezialisierte Boutique Cantab Capital Partners übernommen. Dabei billigte GAM den ehemaligen Eignern zu, 40 Prozent aller in Zukunft anfallenden Performance-Fees auszuzahlen. Cantab war 2006 im britischen Cambridge von Ewan Kirk und Erich Schlaikjer gegründet worden.

Als Verbindlichkeit erfassen
"Die Six argumentiert, dass diese Vereinbarung zu einer finanziellen Verbindlichkeit geführt hat, die man zum Zeitpunkt der Übernahme zum Fair Value hätte bewerten, als finanzielle Verbindlichkeit erfassen und anschließend jedes Jahr neu hätte messen sollen; wobei alle Wertveränderungen in der konsolidierten Erfolgsrechnung von GAM erfasst sein sollten", erläutert GAM in einer Mitteilung den Sachverhalt.

Dieser Einschätzung widerspricht die Fondsgesellschaft energisch. Die Schweizer meinen, dass die Ansprüche der früheren Cantab-Eigner an erfolgsabhängigen Gebühren erst dann als Verbindlichkeit erfasst werden müssen, wenn ihre Höhe auch tatsächlich feststeht – sprich: wenn die Performance Fee eingenommen wurde. Erst ab diesem Zeitpunkt würden fällige Zahlung in die Jahresrechnung aufgenommen. "GAM ist der Ansicht, dass dies ein wahrheitsgemäßes und faires Bild der den Aktionären vermittelten finanziellen Situation von GAM widerspiegelt und nicht zu einer Diskrepanz beim Aufwand und Ertrag führt", heißt es in der Mitteilung weiter.

Buchhalterische Frage
Der Asset Manager betont zudem, dass sich die Kritik der Börsenaufseher gegen den Jahresabschluss des Unternehmens GAM und nicht gegen einzelne Fonds richtet. Zudem habe diese buchhalterische Frage keinen Einfluss auf die Cash-Flow-Lage des Konzerns. Im ersten Halbjahr 2019 flossen dem entsprechenden GAM-Geschäftsbericht zufolge 2,9 Millionen Franken an die früheren Cantab-Eigner (2,6 Millionen Euro). Im Jahr 2018 waren es lediglich 300.000 Franken und 2017 immerhin 14,9 Millionen Franken gewesen (13,6 Millionen Euro). Cantab hatte bei Verkündung der Übernahme im Mai 2016 ein Vermögen von vier Milliarden Dollar verwaltet (nach heutigem Wechselkurs rund 3,6 Milliarden Euro). Das Geschäft läuft seither aber nicht so wie gedacht.(ert)