Am 1. September übernimmt Peter Sanderson die Position des Vorstandschefs beim angeschlagenen Schweizer Vermögensverwalter GAM, berichtet die Nachrichtenagentur "Reuters" unter Berufung auf eine Mitteilung des Unternehmens. Der Brite fungierte zuletzt bei Blackrock als Leiter des Bereichs Financial Services Consulting in der Region EMEA. Seit November wird die Fondsgesellschaft mit Sitz in Zürich operativ vom Verwaltungsratsmitglied David Jacob geleitet, der am 1. Oktober den Posten des Verwaltungsratspräsidenten übernimmt.

GAM befindet sich seit rund einem Jahr in der Krise, nachdem Fondsmanager Tim Haywood wegen des Vorwurfs von Verstößen gegen interne Richtlinien suspendiert wurde. Die Folge waren massive Geldabflüsse aus den GAM-Anlagevehikeln, der Börsenkurs stürzte ab, und der damalige Vorstandsvorsitzende Alexander Friedman musste gehen. Seither gilt GAM als Übernahmekandidat.

Einen Teilerfolg beim Bemühen, das Unternehmen repektive dessen Finanzen zu sanieren, konnte bereits erzielt werden: Wie aktuell bekannt wurde, übernimmt die Zürcher Kantonalbank das Edelmetall-ETF- und Money-Market-Geschäft von GAM. Der ZKB zufolge belaufen sich die dort bewegten Vermögenswerte auf rund 2,2 Milliarden Franken, also rund zwei Milliarden Euro. Der Kaufpreis wird auf 14 Millionen Franken (12,7 Mio. Euro) beziffert.

Halbjahreszahlen: Kaum Besserung in Sicht
Die nun veröffentlichten Halbjahreszahlen zeigen, dass auf Sanderson eine Menge Arbeit wartet. Von Januar bis Juni beliefen sich die Netto-Abflüsse auf 5,2 Milliarden Schweizer Franken (4,7 Mrd. Euro) nach einem Plus von 9,3 Milliarden Franken (8,4 Mrd. Euro) im Vorjahr. So kam es im wichtigen Investment Management zu Nettoabflüssen von 7,6 Milliarden Franken. Es sei aber im Juni und im bisherigen Verlauf des Monats Juli wieder zu Nettozuflüssen gekommen, heißt es in der Mitteilung von GAM.

Der Konzerngewinn beträgt im ersten Semester 25,4 Millionen (23 Mio. Euro) Franken nach 67,7 Millionen im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Grund sei eine Wertminderung in Höhe von 59 Millionen Franken auf den Fonds des 2016 von GAM übernommenen britischen Investment Managers Cantab. Hinzu kamen noch Umstrukturierungskosten in Höhe von 2,6 Millionen Franken. (mb)