"Einlagegebühren" oder "Verwahrentgelte" werden für immer mehr Bankkunden zum Standard. Die Zahl der Kreditinstitute, die derartige "Strafzinsen" in Rechnung stellen, nimmt von Woche zu Woche zu. Gleichzeitig sinkt der Freibetrag, bis zu dem das Geld auf dem Giro- oder Tagesgeld verschont bleibt. Kunden gehen davon aus, dass sie erst ab einem Betrag oberhalb dieser "Schmerzgrenze" zur Kasse gebeten werden – das gilt aber nicht für jede Bank, wie Recherchen des Zinsvergleichportals FMH zeigen. Bei wenigstens einer Bank müssen Kunden sogar für Beträge unterhalb der Freigrenze zahlen.

Die Oldenburgische Landesbank (OLB) verlangt demnach auf Girokonto-Guthaben ab einem monatlichen Durchschnittswert von mehr als 500.000 Euro Strafzinsen in Höhe von 0,5 Prozent. Bei Tagesgeldkonten liegt der Freibetrag bei 100.000 Euro. Kunden, die die Höchstsumme überschreiten, zahlen aber nicht nur Zinsen auf den Differenzbetrag, sondern auf das gesamte Guthaben! Heißt konkret: Wer auch nur 100 Euro zuviel auf dem Konto parkt, zahlt Zinsen für die gesamten 500.100 Euro. Das sind im Monat immerhin üppige 208 Euro. FMH nennt noch eine andere Bank, die ähnlich verfahre. Das Kreditinstitut hat auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE den Bericht jedoch als nicht korrekt bezeichnet. 

OLB bestätigt Rechercheergebnis
Die OLB indes hat das Ergebnis bestätigt. Das Geldhaus aus dem Norden betont aber, dass rund 99 Prozent seiner Kunden wegen des im Branchenvergleich sehr hohen Freibetrages von der Regelung nicht betroffen seien. "Wir haben im Privatkundengeschäft die Grenzen zur Erhebung eines Verwahrentgelts bewusst so gewählt, damit keine 'normalen' Sparer betroffen sind, sondern primär Anlegern das Verwahrentgelt berechnet wird", teilte die Bank mit.

Verwahrentgelte sehe man generell nicht als Mittel, um nennenswerte Zinseinnahmen zu generieren, sondern vielmehr als ein Instrument, um überschüssige Liquidität auf besser geeignete Produkte als Girokonto und Tagesgeld umzuschichten beziehungsweise aus der Bank heraus zu managen, so die OLB weiter. "Deshalb sprechen wir mit den wenigen Privatkunden, bei denen ein Verwahrentgelt fällig wird, aktiv und intensiv über alternative Möglichkeiten wie beispielsweise eine sinnvolle und ausgewogene Wertpapieranlage." (jb)