Die Branche der unabhängigen Vermögensverwalter blickt optimistisch in die Zukunft: Die überwiegende Mehrheit geht davon aus, in diesem Jahr neue Kunden zu gewinnen. Zudem wollen viele Anbieter ihre Teams ausbauen und deshalb Mitarbeiter einstellen. Das geht aus einer Untersuchung des Instituts für Vermögensverwaltung (InVV) an der Technischen Hochschule (TH) Aschaffenburg hervor. An der regelmäßig stattfindenden Umfrage nahmen in diesem Jahr gut 150 der etwa 400 unabhängigen Vermögensverwalter in Deutschland teil.

Besonders groß ist die Zuversicht bei den großen Häusern, die mindestens 500 Millionen Euro betreuen. Aber auch kleinere Vermögensverwaltungen glauben daran, dass sie trotz Corona neue Kunden gewinnen werden. Unterm Strich erwartet mehr als die Hälfte der Teilnehmer, dass die künftigen Geschäfte "sehr gut" oder "gut" laufen. Die anderen Häuser rechnen bis auf ganz wenige Ausnahmen mit einer soliden Entwicklung. "Damit hat sich der positive Trend aus dem Vorjahr leicht verstärkt", sagt InVV-Leiter Hartwig Webersinke, Professor an der TH Aschaffenburg.

Vor diesem Hintergrund will mehr als jeder zweite Vermögensverwalter weiteres Personal einstellen. Bei den Unternehmen mit großem Bestand an Kundengeldern liegt die Quote sogar bei rund 65 Prozent. "Damit bleibt die unabhängige Vermögensverwaltung ein Wachstumsmotor in der ansonsten schrumpfenden Finanzbranche", bilanziert Andreas Grünewald, Vorsitzender des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland (VuV).

Deutliches Wachstum, gute Eigenkapitalrendite
Im Jahr 2019 konnte die Branche deutlich wachsen. Im Mittel verwalteten die Umfrageteilnehmer Ende vergangenen Jahres 201 Millionen Euro, rund 25 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Verantwortlich für das Plus sind die gute Performance vieler Vermögensverwalter im Jahr 2019, der Gewinn von Neukunden und Aufstockungen vonseiten zahlreicher Bestandskunden. "Rund die Hälfte des durchschnittlichen Zuwachses bei den Kundengeldern beruht auf der Leistung der Vermögensverwalter: Sie erwirtschafteten im Mittel eine Rendite von 13,2 Prozent vor Kosten und Steuern", erläutert Webersinke, der auch Dekan für Wirtschaft und Recht an der TH Aschaffenburg ist.

Erfreulich für die Branche entwickelte sich auch die Eigenkapitalrendite: Je nach Größe des Unternehmens berichteten zwischen 60 und 80 Prozent der Anbieter über eine "bessere" oder sogar "deutlich bessere" Eigenkapitalrendite als im Vorjahr. 76 Prozent der Teilnehmer verzeichneten eine Eigenkapitalrendite von mehr als zehn Prozent, nach 64 Prozent im Vorjahr. 46 Prozent der Vermögensverwalter erreichten dieses Mal sogar eine Eigenkapitalrendite von über 30 Prozent. Das stellt laut der Studie einen klaren Anstieg gegenüber dem Vorjahr dar, als nur jedes dritte Unternehmen diese Schwelle nahm. (bm)