Die Zahl der SB-Automaten, an denen sich Verbraucher mit Bargeld versorgen können, sinkt deutschlandweit immer weiter. Insbesondere in ländlichen Gebieten werden die Wege zur nächsten Abhebestation weiter und weiter: In den vergangenen fünf Jahren haben private Banken, Genossenschaftsinstitute und Sparkassen die Zahl ihrer Geldautomaten um 4.000 Stück auf rund 51.350 Geräte zurückgefahren, berichtet das "Handelsblatt" unter Verweis auf eine Untersuchung von Barkow Consulting.

Der Geldautomatenschwund ist bereits seit zirka sechs Jahren zu beobachten – zuletzt hat er sich indes beschleunigt. Im vergangenen Jahr verschwanden mehr Automaten von der Bildfläche als in den Vorjahren. Im europäischen Vergleich rutscht die Bundesrepublik hinsichtlich der Versorgungsdichte immer weiter ab.

Peter Barkow, Chef des gleichnamigen Analysehauses, geht davon aus, dass der Trend auf kurze Sicht sogar noch weiter an Dynamik gewinnt. Die Zahl der Geldautomaten, die von Kreditinstituten betrieben werden, dürfte im laufenden und im kommenden Jahr jeweils um mehr als drei Prozent zurückgehen, prognostiziert er. Damit würde die Zahl der Automaten bis Ende kommenden Jahres auf rund 48.000 Stück schrumpfen. Zum Vergleich: In den vergangenen fünf Jahren sank die Zahl der Geldautomaten insgesamt um rund sieben Prozent.

Ist das Filialsterben schuld?
Ein Hauptgrund ist Barkow zufolge das fortschreitende Filialsterben. "Im Wesentlichen ist der zuletzt deutlichere Rückgang darauf zurückzuführen, dass die Banken und Sparkassen auch vermehrt Filialen geschlossen haben", sagt er im "Handelsblatt". Allerdings machen Kreditinstitute längst nicht immer, wenn sie eine Zweigstelle schließen, auch die dort installierten Geldautomaten dicht. Im Gegenteil: Oft bleiben diese stehen, sodass Banken wenigstens noch einen "Selbstbedienungs-Standort" ausweisen können.

Mittelbar könnte die Covid-19-Pandemie dazu beitragen, dass die Zahl der Geldautomaten weiter schrumpft. Der Grund: Seit Beginn der Krise fordern viele Geschäfte ihre Kunden dazu auf, wenn möglich kontaktlos mit Karte statt mit Bargeld zu bezahlen, um nicht unabsichtlich Coronaviren zu übertragen. Stichproben deuten laut "Handelsblatt" darauf hin, dass die Geldautomatennutzung seit dem Ausbruch der Krise zurückgegangen ist. Auch die Tatsache, dass immer mehr Deutsche den Einkauf bei Aldi, Lidl, Rewe und Co. gleich auch noch zum Geldabheben nutzen, könnte eine Rolle spielen. Studien zufolge ersetzt die Supermarktkasse immer häufiger den Geldautomaten.

Wenn Geldautomaten zur Gefahr für Leib und Leben werden
Ein weiterer möglicher Grund für das Automatensterben ist eher kurios, zugleich aber durchaus ernstzunehmen: Kriminelle haben zuletzt eine große Anzahl von Geldautomaten gesprengt, um an das darin gelagerte Bargeld zu kommen. In Nordrhein-Westfalen flogen im laufenden Jahr so viele Geräte wie noch nie in die Luft, bis Ende September gab es 150 Automaten-Attacken. Schlimmer als der finanzielle Verlust ist dabei der Schaden an Gebäuden, wo die Geldautomaten stehen. Die nordrhein-westfälische Polizei empfiehlt zum Schutz von Anwohnern, Automaten an Wohnhäusern abzubauen – erste Kreditinstitute sind dieser Bitte laut Bericht des "Handelsblatts" bereits nachgekommen. (fp)