Genobank will noch 2026 erste Kreditvergabe gegen Bitcoin testen
Eine große Genossenschaftsbank prüft einen neuen Anwendungsfall für Bitcoin. Die VR Bank Bayern Mitte will Kredite testen, die mit der Kryptowährung besichert sind – und sieht darin langfristig eine Alternative zu klassischen Sicherheiten.
Noch in diesem Jahr will die Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte, die mit einer Bilanzsumme von rund sechs Milliarden Euro zu den größeren genossenschaftlichen Instituten zählt, die Vergabe von Krediten gegen Bitcoin testen. Vorstandschef Andreas Streb hält es für denkbar, dass die Kryptowährung eines Tages ebenso selbstverständlich zur Kreditsicherung eingesetzt wird wie Immobilien. Das sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur "Bloomberg".
"Mit unseren Partnern testen wir, wie Bitcoins bei Krediten als Sicherheit dienen können. Ziel ist es, im Laufe von 2026 das mit echten Kunden zu testen", erklärte Streb. Schon heute würden Kunden regelmäßig nach entsprechenden Lösungen fragen. "Manche Kunden brauchen Liquidität, wollen ihre Bitcoins aber nicht verkaufen, etwa weil sie auf einen Anstieg hoffen."
Bitcoin als verwertbare Sicherheit
Streb ist überzeugt, dass eine Kreditbesicherung mit Bitcoin grundsätzlich funktionieren kann. "Das ist kein Hexenwerk. Bitcoins sind übertragbar und lassen sich verwerten, so wie das auch bei anderen Sicherheiten der Fall ist", sagte er. Zudem gebe es für Bitcoin rund um die Uhr einen sehr liquiden Markt. Bei Immobilien könne es dagegen schwieriger sein, kurzfristig einen Käufer zu finden.
Zusammenarbeit mit Sopra und 21Bitcoin
Für das Pilotprojekt arbeitet die VR Bank Bayern Mitte mit Sopra Financial Technology und 21Bitcoin zusammen. Sopra stellt die notwendige White-Label-Plattform, während 21Bitcoin die Verwahrung der Krypto-Assets übernimmt.
"Bitcoins sind jetzt im Mainstream angekommen. Immer mehr Privatkunden halten die Kryptowährung, die nicht nur als Anlage dienen kann, sondern eben auch als Sicherheit für einen Kredit", sagte Thomas Münch, Experte bei Sopra. Im Pilotprojekt seien ausschließlich Bitcoins als Sicherheit vorgesehen, nicht jedoch andere Kryptowährungen.
Volatilität erfordert hohe Sicherheitsabschläge
Eine zentrale Herausforderung bleibt die hohe Volatilität von Bitcoin. Diese soll durch eine Überbesicherung abgefedert werden. "In unserer Demoversion liegt der Beleihungswert derzeit bei 50 Prozent. Das heißt, wer Bitcoins im Wert von 100.000 Euro hinterlegt, bekommt einen Kredit über 50.000 Euro", erläuterte Münch. Damit bleibe ausreichend Puffer für mögliche Kursrückgänge.
Streb zeigte sich dennoch optimistisch. "Ich kann mir für unser Haus ein mit Bitcoins besichertes Kreditvolumen von zehn Millionen Euro vorstellen, das sich aus vielen kleinen Krediten bis maximal 50.000 Euro zusammensetzt", sagte er. Ob die Bank dauerhaft in dieses Geschäft einsteigt, sei allerdings noch offen.
Früher Einstieg in den Kryptohandel
Unabhängig davon steht für Streb fest, dass sich sein Institut intensiv mit Kryptowährungen befassen muss. Die VR Bank Bayern Mitte wolle Entwicklungen in diesem Bereich nicht verschlafen und für ihre Kunden Ansprechpartner in allen Finanzfragen bleiben.
Bereits seit 2022 bietet die Bank ihren Kunden den Handel mit Bitcoin an – zu einem Zeitpunkt, als viele andere Genossenschaftsbanken noch zögerten. Diese können nun eine Lösung nutzen, die die DZ Bank gemeinsam mit dem IT-Dienstleister Atruvia entwickelt hat.
Die von der VR Bank Bayern Mitte in Eigenregie entwickelte Handelslösung werde von der Kundschaft rege genutzt, so Streb. Das monatliche Handelsvolumen liege bei rund 1,5 Millionen Euro. Rund 200 Kunden würden monatlich Bitcoins im Rahmen eines Sparplans erwerben.
Langfristige Perspektive für Bitcoin-Kredite
Das stimmt den Vorstandschef zuversichtlich. "Ich kann mir vorstellen, dass Bitcoins zur Besicherung genauso selbstverständlich werden wie etwa Aktiendepots oder Immobilien", sagte Streb. In Deutschland sei dafür allerdings noch viel Aufklärungsarbeit nötig. "Viele halten Bitcoins für Spekulation. Sie können aber eine sinnvolle Beimischung in der strategischen Asset-Allokation von Kunden sein." (mb/Bloomberg)














