Der ehemalige Grünen-Bundesabgeordnete und Gründer der Bürgerbewegung Finanzwende Gerhard Schick macht seinen Unmut gegenüber der Finanzaufsichtsbehörde Bafin deutlich. In einem Interview mit dem "Handelsblatt" sagt Schick: "Die Bafin macht ihren Job seit Jahren oft nicht. Bei fast jedem Skandal – auch bei Cum-Ex oder der Pleite von P&R – hat sie geschlafen. Gute Leute dort werden ausgebremst und gehen." Die Behörde müsse endlich so aufgestellt werden, dass sie sich als harter Aufpasser versteht. "Bis jetzt gibt es eine Kuschel-Aufsicht", sagt Schick.

Schon im Sommer 2020 hatte der Finanzaktivist einen personellen Neustart bei der Bafin sowie einen kompletten Umbau der Behörde gefordert. Der Hintergrund: Der Bilanzskandal beim Zahlungsdienstleister Wirecard. "Bafin-Chef Felix Hufeld sollte sofort zurücktreten und seine Stellvertreterin Elisabeth Roegele gleich mit", wiederholte Schick jetzt gegenüber dem "Handelsblatt". Die Bafin sei zu sanft mit dem Zahlungsdienstleister umgegangen. "Sie redet mit den Vorständen und findet gemeinsam eine Lösung. Das ist wie bei einem Fußball-Schiedsrichter, der von allen Spielern geliebt werden will – und lieber dafür sorgen sollte, dass das Spiel fair ist", sagt Schick gegenüber dem "Handelsblatt". Künftig müsse in der Bafin der Verbraucherschutz gestärkt werden. 

Stimme der Bevölkerung
Beispiele aus anderen Ländern würden zeigen, wie man langfristig sicher stellen könne, dass die Aufsicht ihren Job mache. "In Großbritannien kann man sich bei einer Ombudsstelle über die Aufsicht beschweren, in den USA und auf europäischer Ebene müssen sich Behördenchefs öffentlichen Befragungen stellen, in Österreich kontrolliert regelmäßig der Rechnungshof", führt der ehemalige Politiker aus. Die Bafin müsse zum Sprachrohr der Bürgerinnen und Bürger werden, nicht der Finanzbranche. (fp)