Vor gut einem Jahr nahm der P&R-Skandal seinen Lauf. Das Management meldete für drei Gesellschaften, die Container an Anleger verkauft hatten, Insolvenz an. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Pleite zu einem gewaltigen Kriminalfall, in dem sich Forderungen gegen den P&R-Gründer und Firmenchef Heinz R. auftürmten. Im vergangenen Dezember meldeten die Insolvenzverwalter der P&R-Gesellschaften Insolvenz gegen R. an.

In dieser Woche nun eröffnete das Amtsgericht München das Insolvenzverfahren gegen den Unternehmer. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Miguel Grosser bestellt. Er ist seit 1999 in der Kanzlei Jaffé Rechtsanwälte tätig. Damit hat das Gericht eine interessante Konstellation in der P&R-Pleite aufgestellt. Denn die Insolvenzverwalter der P&R-Gesellschaften, bei den 54.000 Anleger die größte Gläubigergruppe bilden, und der Insolvenzverwalter von R. arbeiten alle in derselben Kanzlei. Demzufolge müssen die Rechtsanwälte Michael Jaffé und Philip Heinke als Gläubigervertreter auf Seiten der Anleger gegen ihren Kollegen Grosser vorgehen.

Die Gläubiger von Ex-Firmenchef R. müssen ihre Forderungen bis 18. April anmelden. "Nach einer ersten Bestandsaufnahme dürften sich die Verbindlichkeiten auf über eine Milliarde Euro belaufen, der Großteil davon beruht auf Forderungen der Insolvenzverwalter der insolventen deutschen P&R Containervermittlungsgesellschaften", teilte Grosser mit.

Das Vermögen von R. reiche nach einer ersten Einschätzung des Insolvenzverwalters zwar zur Deckung der Verfahrenskosten, lasse aber nur eine "marginale Quote von deutlich unter einem Prozent" für die Gläubiger erwarten. Grosser rechnet damit, dass das Verfahren mehrere Jahre dauern wird. Der Schuldner ist Beschuldigter in einem Strafverfahren, in dem es kürzlich wie berichtet zu einer Anklage kam. (ae)