Lars Reiner lernte den Vermögensberater Ulrich Bauer kennen, als er nach dem Studium seinen ersten Job bei der Deutschen Bank hatte und sich dabei intensiv mit dem Thema der Vermögensverwaltung auseinandersetzte. 2015 hoben die beiden die digitale Vermögensverwaltung Ginmon aus der Taufe. Ende vergangenen Jahres haben Reiner und Bauer die Apeiron Wealth Cloud gelauncht. Diese ermöglicht unabhängigen Finanzberatern die Vermögensplanung und integrierte Vermögensverwaltung sowie Wertpapierabwicklung. Was sie alles zu bieten hat, erklärt Lars Reiner im Interview mit FONDS professionell ONLINE.


Herr Reiner, Ihr Unternehmen, die Ginmon Gruppe, hat im vergangenen Jahr die Apeiron Wealth Cloud gestartet. Dabei handelt es sich um eine Plattform, die unabhängigen Finanzberatern eine vollständig digitale Vermögensplanung und -verwaltung ermöglicht. Was war der Grund für diesen Launch?

Lars Reiner: Da muss ich etwas weiter ausholen. Als Ulrich Bauer und ich im Frühjahr 2015 unsere Online-Anlageplattform Ginmon gegründet haben, waren wir der Überzeugung, dass eine vernünftige Finanzberatung wesentlich mehr umfassen muss als eine kurze Risikoeinstufung des Kunden und den Verkauf von ein paar Fonds. So lief das zu dieser Zeit aber meist noch. Ulrich Bauer hingegen hat Vermögensberatung schon immer ganz anders gestaltet. Er hat mit den Kunden ganz genau ihre Ziele ermittelt, hat Liquiditäts- und Ruhestandsplanung angeboten und oft auch generationenübergreifend bereits die Kinder und Enkel der Kunden bei der Vermögensplanung berücksichtigt. Die Produktauswahl kam erst an die Reihe, wenn die vollumfängliche Anlagestrategie entwickelt war. Eine solche Beratung ist natürlich sehr aufwendig und lohnte sich damals erst, wenn Kunden über ein Vermögen ab 250.000 Euro verfügten. Deshalb hatten wir uns überlegt, dass es doch möglich sein müsste, den Prozess zu standardisieren, zu automatisieren und so auch Anlegern mit deutlich weniger Kapital eine wirklich gute Geldanlage anzubieten. Aus diesen Überlegungen ist Ginmon als digitaler Vermögensverwalter entstanden.

Ginmon ist aber eine digitale Lösung für Anleger, nicht für Berater.

Reiner: Das ist richtig. Wir haben über die Jahre unsere Technik immer weiter optimiert. Unser Ziel war es, eine digitale Infrastruktur zu bauen, die für den Kunden einfach zu benutzen und kostentechnisch effizient ist. Weil es immer wieder Probleme mit verschiedenen Depotbanken gab, haben wir uns entschieden, unsere Wertpapierinfrastruktur ganz neu aufzustellen, sodass wir von Depotbanken unabhängiger sind. Das haben wir zunächst zusammen mit der lizenzierten Depotstelle Upvest gemacht. Heute sind wir ein modernes Fintech, das außer der Wertpapierverwahrung alle Dienstleistungen aus einer Hand bietet. Natürlich verfügen wir auch über eine eigene Bafin-Lizenz für die Vermögensverwaltung und das Brokerage.

Und wie kam es nun zum Launch der Apeiron Wealth Cloud?

Reiner: Weil wir eben alles aus einer Hand anbieten, haben uns immer wieder freie Finanzberater angesprochen und gefragt, ob sie unsere Plattform auch für ihr Geschäft nutzen könnten. Wir waren aber der Meinung, dass unser damaliges Angebot noch nicht ideal für Berater geeignet war. Zum einen wäre Ginmon als Branding nicht ihre Plattform gewesen, es handelt sich dabei ja nicht um eine White-Label-Lösung über die sie ihre eigene Marke laufen lassen können. Und auch von der Gebührenstruktur her hätte es nicht gepasst, da diese auf den Onlinevertrieb ohne individuelle Vermögensplanung ausgelegt war. Und zu guter Letzt hatten wir gerade auch auf der Depotführungsseite noch einige Hausaufgaben umzusetzen. Daher haben wir zunächst noch einige Jahre unsere eigene Ginmon-Plattform weiterentwickelt. Schließlich konnten wir über die Kooperation mit Bunq, der zweitgrößten Neobank Europas, auch unsere Stärke in der Entwicklung von B-to-B-Lösungen unter Beweis stellen.

Ginmon fungiert für die niederländische Neobank als Broker- und Technologie-Partner für das Wertpapiergeschäft mit Aktien und ETFs, richtig?

Reiner: Genau, diese Kooperation sind wir 2024 eingegangen. Danach haben wir dann unser Projekt einer Plattform zur digitalen Vermögensverwaltung für Finanzberater umgesetzt und dies Ende 2025 als Apeiron Wealth Cloud gelauncht.

Was bietet die Plattform Beratern denn alles?

Reiner: Unsere Plattform steht sozusagen auf drei Säulen. Die erste Säule ist die Software, die alles umfasst, was ein Berater, der sich auf Vermögensmanagement für Endkunden spezialisiert, braucht. Dazu gehören etwa ein Omni-Kanal-Onboarding, eine digitale Vermögensübersicht, Finanzplanungstools, eine automatisierte Dokumentation, sowohl standardisierte Vermögensverwaltung via Modellportfolios als auch individuelle Vermögensverwaltung und vieles mehr. Für den Vermögensmanager hat das den Vorteil, dass er alle Tools an einer Stelle hat und nicht mehr mit vielen verschiedenen Anbietern arbeiten muss. Ganz wichtig ist natürlich auch, dass für jeden Berater unsere App und unsere Seite in seinem eigenen Look and Feel gestaltet werden kann, sprich, White Labeling ist hier möglich.

Und was sind die zweite und die dritte Säule?

Reiner: Die zweite Säule ist die Wertpapierinfrastruktur. Damit ist in erster Linie die Rolle der Depotbanken gemeint. Ein Berater, der die Apeiron Wealth Cloud nutzt, erhält eine in sich abgestimmte Gesamtlösung aus Software und integrierter Depotbank. So können sie Endkundendepots in weniger als zehn Sekunden eröffnen. Die dritte Säule ist unsere Lizenz für die Vermögensverwaltung. Der Berater bekommt wirklich alles aus einer Hand. Er kann den Kunden umfassend betreuen und beraten, weil er jetzt die passende Software dafür hat. Er hat eine Wertpapierinfrastruktur, um die Finanzplanung direkt in Depots umzusetzen und laufend einzusehen. Er kann das Rebalancing auf Automatik stellen oder sich benachrichtigen lassen, wenn Abweichungen ein Eingreifen erfordern. Ein Portfoliomanagement-Tool, mit dem der Berater eigene Strategien anlegen kann, ist ebenso vorhanden. Es ist aber auch möglich, sich etwa auf die Ruhestandsplanung zu konzentrieren und dafür einfach ein Modellportfolio führender Investmentgesellschaften einzusetzen. Das geht alles.

Das klingt interessant. Was kostet die Nutzung der Plattform den Berater denn?

Reiner: Die Gebühr beginnt bei monatlich 49 Euro pro Berater.

Die Apeiron Wealth Cloud gibt es erst seit ein paar Wochen. Wie ist denn der Zuspruch? Wollen überhaupt viele Finanzberater ihren Kunden eine digitale Vermögensverwaltung anbieten?

Reiner: Ja, wir sehen hier seit einigen Jahren einen ganz klaren Trend. Immer mehr Finanzberater konzentrieren sich darauf, den Kunden zu beraten, seine Ziele zu definieren und die strategische Asset Allokation festzulegen. Ob diese dann mit aktiv gemanagten Fonds, ETFs oder günstigen institutionellen Tranchen umgesetzt wird, ist zweitrangig. Vielen Vermögensmanagern ist heute klar, dass die Finanzplanung und die strategische Asset Allokation eine viel größere Auswirkung auf den Erfolg des Investments haben als die konkrete Produktauswahl. Wir sehen, dass sich viele Berater neu aufstellen und entscheiden, nur noch Vermögensverwaltung zu machen. Sie überführen alle Kunden in ein Vermögensverwaltungsmandat. Innerhalb dieses Mandats verwalten sie dann das Geld und müssen den Kunden nicht mehr wegen jeder kleinen Änderung um eine Freigabe bitten. Auch die Vergütung ist klarer und strukturierter. Zudem ist in der Regel die Marge höher als im klassischen Fondsvermittlungsgeschäft mit Bestandsprovisionen.

Aber zu den Fondskosten kommen doch noch die für den Vermögensverwaltungsmantel hinzu.

Reiner: Ich mache es einmal anhand eines Beispiels deutlich. Ein Berater, der einen klassischen aktiv gemanagten Fonds vermittelt, erhält üblicherweise eine Bestandsprovision von 0,6 Prozent bei Produktkosten von 1,8 Prozent. Wechselt er nun auf ein Serviceentgelt-basiertes Geschäftsmodell sind 0,8 Prozent für den Berater marktüblich, inklusive Plattformkosten landen wir für den Endkunden somit bei einem Prozent netto. Nutzt der Berater nun beispielsweise eine kostengünstige globale Anlagestrategie mit Produktkosten von 0,11 Prozent, sinken die Gesamtkosten des Endkunden inklusive Mehrwertsteuer und Produktkosten auf lediglich 1,3 Prozent gegenüber den 1,8 Prozent im ursprünglichen Beispiel.

Sprechen Sie mit Ihrer Plattform eigentlich in erster Linie junge Finanzberater an?

Reiner: Tatsächlich wenden sich aktuell viele junge Berater an uns, aber auch gestandene und sehr erfolgreiche Berater nutzen die Vorteile der modernen Plattform bereits für sich. Auch Versicherungsvermittler, die etwa das aus einer Police ausgezahlte Geld des Kunden wieder neu anlegen möchten, sind uns willkommen. Nicht zuletzt ist es doch so: Mit Apeiron verhindern Berater das automatische Abwandern der Kinder der heutigen Klientel zu Neobrokern wie Trade Republic & Co. Und selbst für das neue staatlich geförderte Altersvorsorgedepot haben wir pünktlich zum offiziellen Start Anfang 2027 eine umfassende Lösung parat. Wir haben den Anspruch, den Berater technologisch auf dieselbe Ebene zu heben, auf der die modernsten Fintechs arbeiten. Wir sind selbst ein modernes Fintech und wir wollen für Finanz- und Vermögensberater sozusagen digitale Waffengleichheit schaffen.

Vielen Dank für das Gespräch. (am)