Deutsche Verbraucher werden wohl noch eine Weile auf ein kostenloses Girokonten-Vergleichsportal verzichten müssen. Nachdem Check24 Ende Januar seine TÜV-zertifizierte Vergleichsseite vom Netz nahm, ist die Bundesregierung auf der Suche nach einem neuen Anbieter. Die Gesellschaften stehen aber nicht gerade Schlange, wie das "Handelsblatt" berichtet: "Der TÜV Saarland hat der Bundesregierung mitgeteilt, dass einige Anbieter grundsätzliches Interesse an der Zertifizierung zeigen, derzeit allerdings kein Anbieter den formalen Zertifizierungsprozess begonnen hat", zitiert die Zeitung aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen, die ihr vorliegt.

Die Regierung in Berlin arbeitet der Zeitung zufolge "mit Hochdruck" an Alternativen zu Check24, allerdings kristallisiere sich noch keine heraus. Prinzipiell könne sich die Koalition sowohl eine öffentlich-rechtliche Lösung als auch eine privatrechtliche vorstellen. "Die Einrichtung eines staatlichen Vergleichsportals betrieben durch die Finanzaufsicht Bafin stellt eine der in Prüfung befindlichen Optionen dar", zitiert das Handelsblatt aus der Antwort der Regierung. Zudem prüfe diese auch, wie sie privaten Gesellschaften entgegenkommen kann. So fallen bei der Zertifizierung Kosten in sechsstelliger Höhe an, weshalb sich viele potenzielle Anbieter gar nicht erst auf den Bewerbungsprozess einlassen würden.

Rechtsstreit beendete Check24-Portal
Grund der Bemühungen ist eine bereits 2018 in Kraft getretene EU-Richtlinie, die fordert, dass in jedem EU-Land ein zertifizierter Online-Vergleich für die jeweils geltenden Girokonto-Konditionen aufzubauen ist. In Deutschland hatte schließlich Check24 vom Bundesfinanzministerium den Zuschlag erhalten, der TÜV Saarland erteilte schließlich sein Siegel. Nach nur fünf Monaten Laufzeit stieg der Münchner Online-Riese aber Ende Januar wieder aus. Hintergrund sind Rechtsstreitigkeiten(jb)