Viele junge Investmentbanker leiden unter einer extrem hohen Arbeitsbelastung. Mehr als hundert Arbeitsstunden pro Woche sind durchaus die Regel. Bei Goldman Sachs rebellierte kürzlich eine Gruppe Nachwuchsanalysten und prangerte in einer eigentlich internen, aber an die Öffentlichkeit durchgesickerten Präsentation "unmenschliche" und "missbräuchliche" Arbeitsbedingungen an. Goldman-Vorstandschef David Solomon hat nun laut "Handelsblatt" Abhilfe in Aussicht gestellt: Er will stärker darauf achten, dass Mitarbeiter – wie es ohnehin bereits der Fall sein sollte – zwischen Freitagabend um 21 Uhr und Sonntagmorgen nur noch in Ausnahmefällen zur Arbeit antreten müssen.

Für die meisten Arbeitnehmer ist ein freier Tag pro Woche Minimum. Solomon tut sich aber offenbar bereits mit diesem Minimalziel schwer. Dabei war er im Jahr 2018 auch mit dem Vorsatz als CEO angetreten, bei seinen Mitarbeitern für eine bessere Work-Life-Balance zu sorgen. Um diesem Ziel zumindest ein kleines bisschen näherzukommen, sollen die am stärksten belasteten Teams der Investmentbank künftig mit Leuten aus anderen Abteilungen verstärkt werden, heißt es in einem Gesprächsprotokoll, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Außerdem will Goldman Sachs zusätzliche Jungbanker einstellen.

Homeoffice verstärkt die Belastung
Die Coronakrise hat Goldman Sachs ein starkes Neugeschäft beschert. Zugleich arbeiten viele Angestellte – wie auch in anderen Unternehmen – wegen der Pandemie von zu Hause aus. Das macht es noch schwieriger, klar zwischen Arbeit und Freizeit zu trennen. "In dieser Welt des Homeoffice fühlt es sich so an, als ob wir rund um die Uhr in Verbindung stehen müssen", räumte Solomon laut Gesprächsprotokoll ein. "Wir müssen Unterstützung geben und Richtlinien aufstellen. Das ist nicht leicht, aber wir arbeiten hart daran, dass es besser wird." Das liegt auch im Eigeninteresse der Bank: Mehrere Nachwuchsbanker gaben an, bis zum Sommer zu kündigen, falls sich die Arbeitsbedingungen nicht verbessern. (fp)