Green-Finance-Pleiten: Die Dominosteine fallen
Gesellschaften der problematischen, von Ermittlungen betroffenen Green Finance Gruppe haben Insolvenz angemeldet. Die Zwillingsgesellschaft Sun Contracting ging bereits vor Monaten pleite. Der Anlegerschaden ist enorm.
Über die Green Business Center Wien GmbH und die LVA24 Prozessfinanzierung GmbH wurde Insolvenz eröffnet. Beide sind Töchter der von Liechtenstein aus dirigierten, in Österreich verwurzelten Green Finance Gruppe. Weitere Gruppenunternehmen dürften nach Kenntnis der Redaktion illiquide sein. Die Geschäftsführerin antwortete nicht auf eine entsprechende, vor mehreren Tagen gestellte Anfrage.
Die Green Finance Gruppe, zu der rund ein Dutzend Unternehmen gehört, hat in den vergangenen Jahren enorme Summen über Anleihen und qualifizierte Nachrangdarlehen bei Anlegern europaweit eingesammelt. Vor allem in Österreich, Süddeutschland und zuletzt besonders stark in der Schweiz, aber auch in Südosteuropa. Bereits vergangenen Herbst wurde die Fremdkapitalaufnahme eingestellt. Damit war klar, dass die zumeist hochverschuldeten und operativ wenig einträglichen Green-Finance-Töchter, die am Kapitaltropf der Gruppe hängen, in Schwierigkeiten geraten werden.
Extremverschuldung
Für die Anleger wird es einmal mehr bitter ausgehen. Die für die Geldaufnahme verantwortliche Emissionsgesellschaft Green Finance Capital AG weist eine Extremverschuldung auf. Nach zuletzt verfügbaren Zahlen hatte sie 2024 nur eine Eigenkapitalquote von rund 0,1 Prozent. Sie stellte den Töchtern Geld zur Verfügung und ist wiederum davon abhängig, dass diese ihr das Kapital zurückzahlen. Schon aus den Kapitalmarktunterlagen geht hervor, dass Zahlungsausfälle bei Gruppengesellschaften eine Pleite der Emissionsgesellschaft wahrscheinlich machen. Daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch hier Negativnachrichten kommen.
Die Pleiten des Green Business Center und der LVA24 folgen auf den Konkurs der ebenfalls oberösterreichisch-liechtensteinischen Solar- und Investmentgruppe Sun Contracting vergangenen November. Beide Unternehmen traten nach außen hin getrennt auf und bezeichneten sich als Vertriebspartner – Vermittler von Green Finance vertrieben auch Sun-Contracting-Produkte und umgekehrt. Ermittlungsakten, die der Redaktion vorliegen, zeigen aber, dass beide Gesellschaften in Wirklichkeit von denselben Personen gelenkt werden.
LVA24 als Ködergesellschaft
Die nun insolvente Prozessfinanzierungstochter LVA24 spielte im Green-Finance-/ Sun-Contracting-Komplex eine fragwürdige Rolle. Sie warb mit Sammelaktionen, bei denen Kunden ein angeblich vorteilhafter Ausstieg aus der Lebensversicherung versprochen wurde oder eine Rückerstattung von Energiekosten und ORF-Gebühren durchgesetzt werden sollte. Bei Verbrauchern, die sich daran beteiligten, rückten aber daraufhin Vermittler von Green Finance an, die den Leuten Veranlagungen in "sichere" Immobilien oder in Sonnenstromanlageninvestments anboten. Teils nahmen die Verbraucher dafür sogar Kredite auf. In vielen Fällen hatten die Vermittler gar keine Konzession für ihre Tätigkeit.
Gegen Green Finance und Sun Contracting ermittelt in Österreich die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) bereits seit Herbst 2024. Es gab mehrere Hausdurchsuchungen, Telefone wurden überwacht. Drei Hauptverantwortliche wurden nach einer mehrmonatigen Untersuchungshaft unlängst wieder enthaftet. Im Raum stehen Delikte wie Anlagebetrug, Bilanzfälschung, Untreue und betrügerische Krida. In Liechtenstein gibt es ebenfalls Erhebungen. Diese laufen mittlerweile gegen eine natürliche und fünf juristische Personen, wie eine Staatsanwältin der Redaktion mitteilt. Es geht um den Verdacht des schweren gewerbsmäßigen Betrugs und der Geldwäscherei sowie um Finanzmarktdelikte. Davor gab es bereits seit Langem immer wieder Probleme mit den Finanzbehörden mehrerer Länder wegen unerlaubter Vertriebsmethoden. Allein bei der Sun Contracting hatten zuletzt rund 6.000 Anleger um die 400 Millionen Euro an Forderungen angemeldet.
Kapitalflüsse
Beobachtern stellte sich in den vergangenen Monaten die Frage, wie sich die Green-Finance-Unternehmen nach der Einstellung der Kapitalmarktemissionen bis jetzt über Wasser halten konnten. Wie die Redaktion erfuhr, verkaufte Green Finance bereits vor Längerem Luxusautos, die einst den besonders fleißigen Vermittlern zur Verfügung gestellt wurden. Gleichzeitig wurden schon vor Langem Rechnungen immer wieder nicht bezahlt, wie Ermittlungsunterlagen zeigen.
Ermittler verfolgen aber auch eine weitere Spur: Während Green Finance/Sun Contracting untergeht, eröffnen zentrale Akteure in Österreich bereits neue Gesellschaften, über die Geld eingesammelt wird. Es gilt für alle die Unschuldsvermutung. (eml)















