Die Insolvenz der Bremer Greensill Bank im März lässt die Ratingagentur Scope in einem ungünstigen Licht erscheinen, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) meldet. Aus Antworten des Bundesfinanzministeriums (BMF) auf eine parlamentarische Anfrage des FDP-Abgeordneten Frank Schäffler gehe hervor, dass Scope nicht nur die Bonität der Pleitebank benotete, sondern sie zugleich auch beriet. "Es kann nicht richtig sein, dass eine Ratingagentur einer Bank ein Rating erteilt und gleichzeitig bei der Analyse berät. Das stinkt zum Himmel", sagte Schäffler der FAZ.

Die Zeitung schreibt des Weiteren, dass im Bericht des Wirtschaftsprüfers zum 2019er Jahresabschluss des Bremer Kreditinstituts vermerkt ist, dass die Erstellung und laufende Überwachung von Kreditanalysen an Scope Risk Solutions ausgelagert wurde. Die Gesellschaft ist eine Schwester von Scope Ratings. Die Finanzaufsicht Bafin habe am 15. Juni 2020 von dieser Doppelfunktion erfahren. An diesem Tag erhielt die Behörde den finalen Bericht über die Einlagensicherungsprüfung der Greensill Bank.

Möglicher Interessenkonflikt?
Das BMF führt in der Antwort weiter aus, dass nach Einschätzung der Bafin ein möglicher Interessenkonflikt zwischen der Scope-Gruppe und der Greensill Bank nicht ausgeschlossen werden könne, so die FAZ. Schäffler setzt gegenüber der Zeitung noch eins drauf: Es sei nicht das erste Mal, dass die Verbindung zwischen Scope und Greensill Fragen aufwerfe. Schon im März sei bekannt geworden, dass der ehemalige Vorsitzende des Aufsichtsrats der Greensill-Muttergesellschaft auch an Scope Ratings beteiligt ist und in einem Beratergremium der Ratingagentur sitze.

Scope selbst weist indes jegliches Fehlverhalten von sich: "Die Scope Risk Solutions (SRS), eine eigenständige Tochtergesellschaft der Scope Group, hat im Einklang mit sämtlichen Governance-Vorgaben und Kontrollmechanismen ('Chinese Walls') für die Greensill Bank Risiko-Assessments zu einzelnen Unternehmen, Industrien, oder Ländern durchgeführt", teilt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE mit und fährt fort: "Gemäß den Bestimmungen der Ratingagentur-Regulierung stehen die von der Scope Risk Solutions erbrachten Dienstleistungen in keinem Verhältnis zum und hatten keinen Einfluss auf den Ratingprozess der Scope Ratings. Sie wurden von separaten Kreditanalysten erstellt." 

Insolventer Lieferkettenfinanzierer
Die Greensill-Bank war von der Bafin Anfang März geschlossen worden, weil eine Überschuldung drohte. Über 20.000 Privatkunden mussten entschädigt werden. Hintergrund ist die Krise des australischen Greensill-Konglomerats. Der britisch-australische Lieferkettenfinanzierer musste im März ebenfalls Insolvenz anmelden. Der deutsche Bank-Ableger hatte zuvor Summen in Milliardenhöhe bei deutschen Privatanlegern und institutionellen Investoren eingesammelt, mit denen die Mutter ihre Geschäfte absicherte und refinanzierte. (jb)