Das Fondsanalyse- und Asset-Management-Haus Greiff Capital will in die Spitzenliga deutscher Fondsboutiquen aufsteigen. "Mein Ziel muss lauten, die Marke von einer Milliarde Euro verwaltetem Vermögen zu knacken", sagt Greiff-Vorstand und Co-Gründer Volker Schilling im Interview mit FONDS professionell. "Wenn man als Unternehmer nicht mehr wachsen will, hat man schon das erste Problem: man schrumpft." Die Freiburger waren mit einem verwalteten Vermögen von nicht einmal 250 Millionen zu Jahresbeginn auf nunmehr mehr als 600 Millionen Euro gewachsen.

Angesichts des immer größeren regulatorischen Aufwands müsse ein Asset Manager eine Mindestgröße erlangen, um wirtschaftlich arbeiten zu können. "Wir können nicht ausschließen, dass sich die Repressionen gegen die Finanzbranche noch verschärfen. Wir müssen daher ein gewisses Polster an Liquidität und Größe aufbauen", sagt Schilling, der auch den Branchenbrief "Der Fonds-Analyst" herausgibt.

Effizienter Adoptionsfonds
Daher verfolgt das Haus eine zweigeteilte Wachstumsstrategie. Zum einen übernimmt das Haus Dachfonds, wenn die Initiatoren das Management nicht mehr fortführen wollen, etwa aus regulatorischen Gründen. "Durch unsere Analysen stoßen wir auf Punkte, die andere übersehen", so der Manager. Ursprünglich wollte Schilling auch kleine vermögensverwaltende Portfolios übernehmen, die keine ausreichende Überlebensgröße aufweisen, und zu einem großen, effizienten Fonds verschmelzen. Den Plan eines Adoptionsfonds hat er wegen des hohen Aufwands und geringen Interesses vieler Manager aber aufgegeben.

Zum anderen will Schilling talentierte Manager ins Haus holen, die bei ihrem bisherigen Arbeitgeber unzufrieden sind. "Wir locken Manager mit der Aussicht, dass sie bei uns besser arbeiten können", erläutert Schilling. "Ich habe Gespräche geführt, da merkte ich deutlich, wie unglücklich sich Manager in ihrem Haus fühlten." Diesen Managern wolle er eine neue Heimat bieten. Aber auch Talente, die noch kein eigenes Portfolio lenken, will Greiff anlocken – sofern sie neue Ideen mitbringen.

Wachstum nicht um jeden Preis
Als etablierter Asset Manager könne sein Haus einen Fonds relativ schnell und günstig an den Markt bringen, die Regulierungsfragen abwickeln und ihn auch gleich mit Startkapital ausstatten. "Ich kann mit einem Volumen von 600 Millionen Euro im Rücken anders über die Konditionen verhandeln als ein Manager, der allein mit seiner Idee bei den Verwaltungsgesellschaften aufschlägt", argumentiert Schilling. "Und wir sind in der Lage, ihn ausreichend mit Mitteln auszustatten, damit man die Leistung des Managers auch erkennen kann."

Die Produktpipeline sei bereits gut gefüllt. "Wir haben noch einige Ideen im Köcher", verrät Schilling. Allerdings hätten er und sein Partner Edgar Mitternacht auch viele Projekte auf das nächste Jahr geschoben. "Wachstum wollen wir nicht um jeden Preis. So werden wir zunächst eine Konsolidierung umsetzen", erklärt der Fonds-Veteran. Durch die Übernahmen mehrerer Fonds arbeite das Haus mittlerweile mit acht Kapitalverwaltungsgesellschaften zusammen. "Das werden wir reduzieren", kündigt Schilling an. (ert)


Wie die Pläne der Freiburger genau aussehen, welche Fonds Greiff in diesem Jahr übernommen und warum das Team Spaß bei der Arbeit hat, lesen Sie in der neuen Heftausgabe 4/2016. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder finden den Beitrag auch im E-Magazin.