"Grob fahrlässig": BVR-Präsidentin rechnet mit Problembanken ab
Die genossenschaftliche Finanzgruppe hat 2025 einen Vorsteuergewinn von 11,6 Milliarden Euro erzielt. Überschattet wurde die Bilanz jedoch von mehreren Stützungsfällen. BVR-Präsidentin Marija Kolak kündigt deshalb einen verschärften Governance-Kurs an.
"Wir haben bei Verantwortlichen in einzelnen Banken hochriskante Geschäfte, Missmanagement oder grob fahrlässiges Verhalten gesehen", sagte Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), laut Redetext bei der Bilanzvorlage am Mittwoch (15.7.). "Die Folgen werden meist Jahre später sichtbar – und kommen unsere Solidargemeinschaft teuer zu stehen."
Über ihre gemeinsame Sicherungseinrichtung versprechen die Genossenschaftsbanken, sich in Krisen gegenseitig zu stützen. Zu den prominentesten Stützungsfällen in jüngerer Vergangenheit zählen unter anderem die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden, die Volksbank Dortmund-Nordwest und die Raiffeisenbank im Hochtaunus. Oft handelte es sich um relativ kleine Institute, die sich mit Immobilien verspekuliert hatten.
Reformen stärken Eingriffsrechte
Kolak lobte die jüngsten Reformen im Genosektor, mit denen die Sicherungseinrichtung deutlich größere Eingriffsrechte bei den Banken vor Ort erhält. Sie sprach von einem Meilenstein. Als Verband einer dezentralen Organisation könne der BVR zwar das Fehlverhalten Einzelner und übermäßige Risiken nicht abschließend verhindern. Diese Aufgabe hätten die Vorstände und Aufsichtsräte vor Ort. "Wir haben aber sichergestellt, dass wir als BVR im Interesse unserer Mitglieder bei einzelnen Banken sehr konsequent durchgreifen können", sagte Kolak.
Teil der Reformen ist auch das gruppenweite Risiko- und Finanzmanagement. Dabei geht es darum, die Transparenz über Risiken in der genossenschaftlichen Finanzgruppe zu erhöhen, um Entwicklungen und Trends frühzeitig in den zuständigen Gremien zu diskutieren.
Verhaltenskodex in Vorbereitung
Derzeit arbeitet der Genosektor noch an einem Vorstands- und Aufsichtsratskodex. Er soll als Richtschnur für richtiges Handeln dienen. Im Mittelpunkt stehen Kolak zufolge Integrität, eine wirksame Kontrolle durch den Aufsichtsrat und eine nachhaltige Unternehmensführung. In den kommenden Monaten sollen sich die Gremien der Genossenschaftsbanken mit dem Kodex auseinandersetzen und ihn anschließend formell verabschieden.
"Wir sind sicher: So wie die Verschärfung der Eingriffsrechte der Sicherungseinrichtung bereits vor ihrer offiziellen Verabschiedung Wirkung entfaltet hat, wird dies auch beim Kodex der Fall sein", sagte Kolak.
Zinsgeschäft treibt den Gewinn
Getragen wurde der gruppenweite Vorsteuergewinn von 11,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr vor allem vom Zinsüberschuss. Er stieg leicht auf 24,5 Milliarden Euro. Auch der Provisionsüberschuss legte zu und erreichte 9,9 Milliarden Euro. Die Risikovorsorge verringerte sich etwas auf 4,3 Milliarden Euro.
Die Zahl der Mitarbeiter der genossenschaftlichen Finanzgruppe stieg 2025 um rund 3.000 Personen auf rund 176.500. Zur Gruppe gehören etwa 650 Volksbanken und Raiffeisenbanken, Sparda-Banken, PSD Banken, genossenschaftliche Kirchenbanken sowie Spezialinstitute einschließlich der Zentralbank DZ Bank. (mb/Bloomberg)















