Größter Jobabbau an der Wall Street seit fast zehn Jahren
Die größten US-Banken haben ihre Belegschaften im vergangenen Jahr deutlich verkleinert. Effizienzprogramme, Umstrukturierungen und technologische Veränderungen prägen die Personalstrategie an der Wall Street.
Die größten US-Banken haben im vergangenen Jahr ihre gemeinsame Mitarbeiterzahl so stark reduziert wie seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr. Die sechs größten Institute – JP Morgan Chase, Bank of America, Citigroup, Wells Fargo, Goldman Sachs und Morgan Stanley – beschäftigten zum Jahresende zusammen 1,09 Millionen Menschen.
Das entspricht einem Rückgang um rund 10.600 Beschäftigte im Vergleich zum Vorjahr und markiert den niedrigsten Stand seit 2021. Zuletzt war die Zahl der Stellen 2016 ähnlich deutlich gesunken, damals um rund 22.000 gegenüber dem Vorjahr.
Effizienz rückt in den Vordergrund
Effizienz bestimmt derzeit das Geschehen an der Wall Street. Während des pandemiebedingten Booms bei Unternehmensübernahmen und -fusionen hatten viele Banken ihre Belegschaften stark ausgebaut. Mit dem deutlichen Abschwung ab 2022 folgte jedoch ein Stellenabbau. Inzwischen steht zudem die Frage im Raum, in welchem Umfang künstliche Intelligenz künftig menschliche Arbeitskräfte ersetzen könnte.
Wells Fargo treibt Stellenabbau voran
Wells Fargo war im vergangenen Jahr der mit Abstand größte Treiber der Kürzungen. Unter der Führung von CEO Charlie Scharf setzte der Konzern seinen Sparkurs fort. Die Mitarbeiterzahl sank zum Jahresende um mehr als 12.000 auf 205.198 Beschäftigte – so wenige wie zuletzt vor der Übernahme von Wachovia während der Finanzkrise 2008.
In einer Telefonkonferenz am Mittwoch (14.1.) verwies Scharf auf 22 aufeinanderfolgende Quartale mit Personalabbau und hatte bereits zuvor erklärt, dass weitere Kürzungen folgen werden.
Umbau bei Citigroup hält an
Auch die Citigroup, die sich ebenfalls in einem tiefgreifenden Umbau befindet, beendete das Jahr mit 3.000 Beschäftigten weniger als Ende 2024. Die Nachrichtenagentur "Bloomberg" berichtete am Montag (12.1.), die Bank wolle in dieser Woche weitere rund 1.000 Stellen streichen.
Konzernchefin Jane Fraser deutete am Mittwoch in einem Memo an die Belegschaft zusätzliche Kürzungen an.
Einzelne Institute stocken Personal auf
Nicht alle Institute reduzierten ihre Belegschaften. Goldman Sachs erhöhte die Zahl der Mitarbeiter um zwei Prozent auf 47.400. Die Bank nannte die gestiegenen Personalkosten als Hauptgrund für den Anstieg der Gesamtkosten um elf Prozent. Morgan Stanley beschäftigte zum Jahresende trotz eines Abbaus von rund 2.000 Stellen im März etwa 2.500 Menschen mehr als ein Jahr zuvor.
"Es gibt laufende Veränderungen in Bezug auf die erforderlichen Qualifikationen, und wir schauen daher darauf, welche Mitarbeiter wir in den verschiedenen Bereichen und Abteilungen benötigen", sagte Morgan-Stanley-Finanzchefin Sharon Yeshaya am Donnerstag (15.1.) in einem Interview. Zu möglichen weiteren Kürzungen erklärte sie: "Dazu gibt es derzeit nichts zu sagen."
JP Morgan und Bank of America setzen auf Zurückhaltung
JP Morgan, das in den vergangenen fünf Jahren seine Belegschaft stark ausgebaut hatte, stellte auch 2025 wieder neue Mitarbeiter ein – allerdings so langsam wie seit Beginn der Pandemie nicht mehr.
Bank of America setzt derweil auf natürliche Fluktuation. CEO Brian Moynihan sagte am Mittwoch, er rechne damit, dass die Mitarbeiterzahl seines Instituts in diesem Jahr sinken werde. "Wir können einfach entscheiden, nicht einzustellen und die Mitarbeiterzahl allmählich zurückgehen zu lassen."
Jedes Mal, wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlasse, prüfe die Bank, ob die Stelle neu besetzt werden müsse, erklärte Finanzchef Alastair Borthwick. (mb/Bloomberg)
















