Großfusion zum europäischen Fondstitanen ist abgesagt
Eigentlich hätte ein neuer Riese und nach Volumen die Nummer zwei in Europas Asset-Management-Branche entstehen sollen. Doch nun haben die Mutterkonzerne den Zusammenschluss von Generali Investments und Natixis Investment Managers abgeblasen. Der Widerstand war zu groß.
Die Pläne für die Verschmelzung der Asset-Management-Sparten der italienischen Versicherung Generali und der französischen Investmentbank Natixis sind begraben. Dies teilten der Versicherungskonzern mit Sitz in Mailand sowie die Natixis-Mutter BPCE aus Paris mit. Mit dem geplanten Zusammengehen wäre ein europäischer Fondsriese entstanden, der ein Vermögen von gut 1,9 Billionen Euro verwaltet hätte. Das vereinte Haus hätte damit deutlich zu Europas Branchenprimus Amundi aufgeschlossen, der 2,3 Billionen Euro betreut.
Im Januar hatten Generali und BPCE verkündet, eine vorläufige Vereinbarung zur Zusammenlegung ihrer Investmentsparten getroffen zu haben. Diese sah die Schaffung eines Gemeinschaftsunternehmens vor, an dem beide Seiten gleiche Anteile halten. Zwar hätten sich im Laufe der Verhandlungen die "Vorzüge und der Wert" einer Partnerschaft bestätigt, heißt es nun in der aktuellen gemeinsamen Erklärung. Doch beide Seiten seien zu dem Schluss gekommen, "dass die Voraussetzungen für eine endgültige Einigung derzeit nicht gegeben sind".
Aktionäre und Politik laufen Sturm
Das Scheitern der Fusion hatte sich in den vergangenen Monaten bereits abgezeichnet. Der Widerstand war zu groß geworden. So hatten sich wichtige Anteilseigner des italienischen Versicherers Generali gegen den Deal ausgesprochen. Auch die Regierung in Rom signalisierte Bedenken. Die größte Sorge dort war, dass die Ersparnisse der Italiener unter ausländische Kontrolle geraten könnten. Das Kalkül dahinter dürfte sein, dass heimische Versicherer und Investmenthäuser wichtige Käufer italienischer Staatsanleihen sind.
Generali hatte diese Befürchtungen zurückgewiesen. Die Mitsprache bei dem Joint Venture würde zu gleichen Teilen bei beiden Seiten liegen. Der Versicherer behalte die Kontrolle über die Vermögenswerte, die er in das Gemeinschaftsunternehmen eingebracht hätte. Doch die Bedenken aus der Politik und die Widerstände unter den Anteilseignern ließen sich offenkundig nicht ausräumen.
Skaleneffekte erzielen
Grundsätzlich stehen die Zeichen in der Fondsbranche auf eine Konsolidierung. Die fallenden Preise einerseits und die steigenden Kosten andererseits drücken zunehmend die Gewinne der Asset Manager. Großen Häusern gelingt es tendenziell besser, mit dieser Entwicklung umzugehen, denn sie können durch ein größeres Volumen Skaleneffekte erzielen. Dies war auch das ausgerufene Ziel des Zusammengehens des Boutiquendachs Natixis Investment Managers mit Generali Investments.
Andererseits haben mehrere Beispiele in der Branche gezeigt, dass ein Zusammenschluss alleine noch kein Wachstum schafft. Zudem erweist sich eine Integration oft als komplex und es besteht die Gefahr, dass Kunden und wichtige Mitarbeiter das Haus verlassen. Manche Stimmen aus der Branche sehen daher eher eine Entwicklung hin zu Kooperationen denn zu Übernahmen und Fusionen.
"Florierende Finanzindustrie"
Generali und BPCE bleiben mit Blick auf ihre Zukunftspläne vage. "Beide Gruppen halten an ihrem Engagement für die Entwicklung einer florierenden Finanzindustrie fest, in der weltweit wettbewerbsfähige europäische Spitzenunternehmen zum wirtschaftlichen Erfolg der Region beitragen", heißt es in der gemeinsamen Mitteilung. (ert)




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